Mannheim
Compact Memory

Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung · 1881-01-01 · 1881 · page 107

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
Volume
1881
Date
1881-01-01
Page
– (sequence 107)
Language
German
Belongs to
journal volume
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2720904-2720951--106-2723591
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

104 in den Sinn gekommen — Raschi1). Es wird darauf erzählt, dass Mar Samuel von dem persischen Könige Schabur geneckt wurde, dass er trotz seiner vielgerühmten Weissheit ihm nicht sagen könnte, was er Nachts träumen würde. «Gewiss kann ich das», . antwortete Samuel, «dass du als Gefangener der Römer in einer goldenen Mühle Dattelkörner mahlen wirst.» Der König, dem das zu Herzen ging, dachte den ganzen Tag daran und träumte Nachts wirklich davon. Dieselbe List soll,schon früher R. Josua bei einem römischen Kaiser angewendet haben. Aufgefordert, ihm zu sagen, was er Nachts träumen würde, soll er ihm gesagt haben, dass die Perser ihn zum Frohndienste anhalten, ihn brandschätzen und ihn sogar zwingen würden, ihre Heerden mit einem goldenen Stabe zu weiden. Da er fortwährend daran dachte, träumte ihm das wirklich2). Andere, die die Bedeutung der Träume nicht so unbedingt verwarfen, schränkten sie doch sehr ein, indem sie meinten: Ebensowenig wie das Getreide ganz rein ohne Spreu ist, ist der Traum rein ohne Nichtigkeiten (3 דברים בטלים). Aber trotz dieser gesunden Ansichten nahm doch der Mysticismus zurZeit Abaji’s und Raba’s so sehr überhand, dass sie sich von einem sögenannten Traumdeuter, einem gewissen BarHedia dupiren Hessen4), bis man endlich dahinter kam, dass derselbe die Träume je nach dem ihm gewordenen Honofar gut oder schlecht deutete; es entfiel ihm auch ein Blatt, auf welchem die Worte zu lesen waren: כל החלומות הולכי; אחר הפה «Alle Träume richten sich nach dem Munde» (des Träumdeuters). Und dieser Spruch hat, wenn wir die mystisehe Ausschmückung davon abstreifen, insofern einige Berechtigung, als in der That der Glaube an die Kunst der Traumdeuter oft viel dazu beitragen kann, die Erfüllung des so gedeuteten Traumes zu verwirklichen. Erhält Jemand beispielsweise von einem Traumdeuter, zu dem er Vertrauen hat, die günstige Deutung seines Traumes, dass ein von ihm eingegangenes gewagtes Unternehmen gelingen würde, so ermuthigt ihn das und er führt vielleicht wirklieh die Sache glücklich durch, bei einer ungünstigen Deutung ף Ibid. 2) Ibid. 56. a. Raschi bemerkt dazu, dass Rom damals mit Persien Krieg iührte (die Erfüllung eines solchen Traumes lag also im Bereiche der Möglichkeit.). 3) Ibid. 55. a. 4) Also selbst Raba, der, wie wir eben gesehen, eine so rationelle Ansicht über die Träume entwickelte, ging in die Falle.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.