Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1881
- Date
- 1881-01-01
- Page
- – (sequence 106)
- Language
- German
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103 das Leiden vorüberg'egangen. So z. B. Sabbat 67. a. beim Verschlucken eines Knochens oder einer Fischgräte, ננעצתא כמחט׳ ננעלתה כתריס; שייא׳ שייא «du bist eingedrungen wie eine Nadel, bist eingeklemmt wie ein Schild, lockere dich, senke dich!» (S. Aruch s. v. אררא)• Vielleicht ist es um des gedachten Zweckes willen, dass die Rabbinen ibid. bemerken, diese zwei Besprechungen machen eine Ausnahme, indem sie nicht als heidnische Sitte verpönt sondern erlaubt seien. Indess ist es besser, seine moralische oder physische Widerstandskraft ohne solche Mittel, vielmehr durch einfache vernünftige Ueberlegung zu stärken. Noch eine andere in der amoräischen Zeit herrschende mysteriöse Vorstellung müssen wir hier erwähnen — nämlich die Ansicht über Träume. Auch hier scheint der Einfluss der persischen Umgebung auf die babylonischen Amoräer wirksam gewesen zu sein,'was um so erklärlicher ist, als ja auch die Bibel mitunter prophetischer Träume Erwähnung thut. Die älteren Rabbinen Hessen sich davon nicht beirren, setzten vielmehr die prophetischen Traumgesichte in ein ganz anderes Gebiet und erklärten die Träume im Allgemeinen für nichtig. So lehrt R. Meir:;דברי הלומות לא מעלין ולא מורידי «Träume können weder nützen noch schaden.» (Gittin 52. a., Horajot 13. b.). Dasselbe lehrt eine Boraita (Sanhedrin 30. a.). Auch Mar Samuel hielt Nichts davon. Hatte er einen bösen Traum, so berief er sich auf das Wort der Bibel (Secharia 10, 2): וחלומות השוא ידברו «Und die Träume, sie sprechen Falsches», hatte er einen guten Traum, so deutete er scherzend diesen Bibelvers zu seinen Gunsten, indem er ihm eine Frageform gab: «Und die Träume, sprechen sie denn Falsches1)?» Ich sage «scherzend», da der Zusammenhang jener Bibelstelle offenbar dieser letzteren Deutung nicht entspricht. Das beweist aber eben, dass die Träume im Ganzen ihm irrelevant waren. R. Jonathan (ibid.) sprach die richtige Ansicht aus, dass der Traum nur eine Combination der dem Menschen im wachen Zustande durch den Kopf gefahrenen Ideen oder der in sich aufgenommenen sinnlichen Eindrücke sei. Raba stimmt lebhaft in diesen Ausspruch ein und führt als Beweis an, dass der Mensch niemals von einem goldenen Palmbaume oder von einem Elephanten, der durch ein Nadelöhr geht, träumt (weil ihm solche Dinge niemals im wachen Zustande L) Berachot 55. b.