Mannheim
Compact Memory

Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung · 1881-01-01 · 1881 · page 100

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
Volume
1881
Date
1881-01-01
Page
– (sequence 100)
Language
German
Belongs to
journal volume
OCR quality
92% known words query
IRI
…/2720904-2720951--099-2723584
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

97 Rabbinen bestrebt, die Zahl der Wunder (selbst der biblischen) zu beschränken, dass sie in ihrer bilderreichen Sprache sich so ausdrücken, als habe Gott gleichsam bei der Schöpfung schon die Bedingung gestellt, dass bei den wenigen nothwendigen (in der Bibel erwähnten) Wundern die Naturgesetze ausnahmsweise einmal eine Unterbrechung erleiden sollten (* 1תנאי התנה הקבה במעשה בראשית על הים שיקרע וכל ופו'). Aehnliches scheint die Mischna Abot (5, 6) anzudeuten 2עשרה דברים נבראו בערב שבת בי; השמשות ואלו הן פי הארק וכל). — Meines Erachtens geschieht es nun ebenfalls nur zu diesem Zwecke, dass der sonst so aufgeklärte Amora, Arzt und Patriarch R. Chanina die Lehre vom planetarischen Einflüsse selbst in Bezug auf Israel nicht beschränkt wissen will. Seine Worte lauten: מזל מחכים ומזל מעשיר ויש מזל לישראל (Sabbat a. a. O.). Freilich geht Raschi in seiner Erklärung der Worte: יש מזל לישראל etwas zu weit, wenn er meint, dass selbst Gebet und Tugend das Masol nicht zu ändern vermögen (שאין תפלה וצדקה משנה את המזל)» denn obschon manche Talmudstellen in der That für diese Absicht zu sprechen scheinen, so z. B. der Ausspruch Raba’s: חיי בני ומזוני לאו בזכותא תליא מילתא אלא במזלא תליא מילתא• «Was Leben, Nachkommengeschieht, so wird sein Verdienst bei Gott geschmälert.» Ferner Ketubot 61. b. «Warum verliessest du dick auf ein Wunder?» Ferner Kidduschin 39. b. «Wo die Gefahr bestimmt oder auch nur wahrscheinlich ist, darf sich auch der Prophet nicht auf Wunder verlassen.» Endlich noch: «Frage dich erst, ob du würdig wärst, dass dir ein Wunder geschähe» (Baba Mezia 106. b.) 1j Auf diesen Ausspruch in Bereschit Rabba und Midrasch Kohelet macht schon Maimonides im More Nebuchim II. 29. aufmerksam, um zu zeigen, dass die Rabbinen die Unwandelbarkeit und Continuität der Naturgesetze und die ausserordentliche Seltenheit der Wunder lehren. 2) Siehe Maimonides Mischna-Commentar z. St. אמרו שביום הששי שם בטבע הארק שתשקיע קרה וכל עדתו ובו' שכל הנפלאות הושמו בטבעי הדברים מששת ימי בראשית וכל• Vgl. auch meine Schrift מדרש הזוהר S. 293» 2. Subnote: «Da die Schöpfung in den sechs Werktagen vollbracht wurde und am Sabbat alles Schaffen aufgehört hatte, so nennen die Rabbinen seltene Naturerscheinungen, die zwischen dem Natürlichen und Uebernatürlichen liegen, Geschöpfe, die am Eingänge des Sabbats zwischen Licht und Dunkel erschaffen wurden, d. 11. in dem Augenblick der Scheidung des Freitags vom Sabbat; ihre Existenz liege gleichsam zwischen Sein und Nichtsein.» Was nun die Mischna von diesen Naturerscheinungen behauptet, das dehnt die zweite Lesart mit noch grösserem Rechte auch auf die Entstehung des Uebels (personificirt als böse Dämonen) aus (וי״א אף המזיקין), da die Entstehung des Bösen blos als eine nothwendige Grenze zwischen dem Sein und dem Nichtsein anzusehen ist. 7

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.