Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1881
- Date
- 1881-01-01
- Page
- – (sequence 99)
- Language
- German
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96 auf die von Gott in die Natur eingesenkten Gesetze Hinweisen, und ihm Vorhalten, wie Gott verlangt, dass der Mensch sich seiner Kräfte bediene, und dass der göttliche Segen nur der menschlichen That, nicht aber seiner Lässigkeit zu Hülfe komme (יברכך ד בכל אשי* תעשה): ebenso machten es die Einsichtigen unter den Alten. Den planetarischen Einfluss einmal vorausgesetzt, rufen sie dem Volke zu: Diese von Gott gesetzte planetarische Ordnung ist stetig, unwandelbar ויעמידם לעד לעולם חק נתן ולא יעבר) Psalm 148, 6. Darum verlasset euch nicht auf Wunder! (לא סמכינן אניסא Pesachim 64. b). Nicht alle Tage geschehen Wunder! (לאו בכל יומא מתרחיש ניסא ibid. 50, b.)1). Ja, so sehr waren die älteren breitet wäre.» (Was M. dort noch über Heilung durch astrologisch gefertigte Talismane spricht, soll in Abschn. F. besprochen werden); 3) aus einer Stelle in Midrasch Temura ed. Jellinek 1853, S. 107: «R. Ismael und R. Akiba wandelten einst in den Strassen Jerusalems und begegneten einem kranken Manne, der zu ihnen sprach: Meine Herren und Lehrer, rathet mir, wie ich gesund werden kann; sie verordneten ihm einige Heilmittel. Wie, sagte er, ist es nicht Gott, der mich krank gemacht? Wäre es nicht ein Eingriff in die Sache Gottes, wenn ihr mich heilen, wolltet? Er schlägt und ihr wollet ihm wehren? Darauf die Rabbinen: Was hast du für ein Gewerbe? Ich bin ein Landmann, antwortete er. Und wächst dir Alles von selbst zu? Nein, sagte er: Ich muss düngen, pflügen und säen, um später ernten zu können. Nun, ist denn das nicht ein Eingriff in die Rechte des Schöpfers? meinten die Weisen, siehe, so wie Gottes Erdboden der Nachhilfe bedarf, so auch der menschliche Organismus.» Vielleicht hat auch eine missverstandene Bibelstelle Viele in diesem Wahne bestärkt. II. Chron. 16, 12. heisst es: וגם בחליו לא דרש את 5ד כי ברפאים allein dort wird blos getadelt, dass der König Assa nur auf Aerzte vertraute und das Gebet ganz vernachlässigte. S. מצודת דוד z. St. לא דרש׳ להתפלל אל ד כי שם בטחונו ברופאים לבדם• S. auch Philippson z. St., dass bei den Worten רפאים hier nicht an unsere wissenschaftlichen Aerzte zu denken sei, indem die Mittel jener Heilkünstler nur in Astrologie, Beschwörungen und Aberglauben aller Art bestanden. In der Schrift: «Geschichtliche Skizze der Wahrhaftigkeit und der Lüge in der ärztlichen Praxis etc. von Dr. Le Viseur, Regierungs־ und Medizinal-Rath a. D., Posen 1859» wird S. 31 in der That aus der angeführten Stelle in der Chronik deducirt, dass es als eine Versündigung gegen die Religion angesehen wurde, in Krankheiten zu Aerzten Zuflucht zu nehmen; doch ist dieser Beweis nach den oben gegebenen Erklärungen nicht stichhaltig. Indess stimmt Le Viseur der oben citirten Erklärung Maimonides’ im Mischna-Commentar (eine Stelle, auf die ich den gelehrten Verfasser kurz vor dem Erscheinen seiner Schrift aufmerksam gemacht hatte), dass das sogenannte ספר הרפואות nur wegen seines abergläubischen Inhalts beseitigt worden wäre, auf derselben Seite dort bei. ב) Vgl. Taanit 20. b. «Der Mensch begebe sich nicht in Gefahr, hoffend, dass ein Wunder geschehe, denn vielleicht geschieht kein Wunder, und wenn es