Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1881
- Date
- 1881-01-01
- Page
- – (sequence 97)
- Language
- German
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94 R. Akiba und dreier der grössten Amoraim R. Jochanan1), Rab und Mar Samuel vorgetragen wird2), theils auch, indem sie das astrologische Wissen als ein getrübtes, mit vielen Täuschungen gemischtes hinstellten. (Vgl. Sota 12. b.,ראו אצטגניני פרעה וטעו ־־ צופים ואינם יודעים מה צופים יכו' wozu Raschi bemerkt: שכן דרך אצטגגיגין אינן רואין אלא סימן אבל לא פירושו עזל כל דבר)• «Es ist das die Weise der Aslrologen, sie erschauen wohl gewisse Anzeichen, ohne sich dieselben immer erklären zu können.» Vgl. ferner das JVort der Rabbinen (Genes, rabba Cap. 85) zu Jesaias 47, 13: מודיעים לחדשים מאשר יבאו עליך׳ מאשר ולא כל אשר; ebenso heisst es im Targum daselbst: ודחזן בבוכביא ~ מהודעין זמנין דימטעין לך וכו׳• Eine Wahrnehmung können wir hier nicht unterdrücken, die bei genauerer Betrachtung der einschlägigen Talmudstellen sich uns wie von selbst aufdrängt. Konnten sich auch die Talmudlehrer — wie wir gesehen — von den so allgemein verbreiteten Anschauungen über Astrologie nicht ganz losreissen, so waren doch ihre Vorstellungen innerhalb dieses gegebenen Rahmens meist ganz rationell. Was wir heute den Naturgesetzen zuschreiben und den «gewöhnlichen Lauf der Dinge» nennen, das schrieb man damals dem planetarischen# Einflüsse zu und nannte es מזל (in späterer Zeit מערכת). Das lag zu jener Zeit nun einmal in der Luft und liess sich nicht wegdisputiren. Selbst die Anlage des Menschen, in Wissenschaften zu forschen oder durch kluge Berechnung in Bezug auf materielle Güter in seinen Unternehmungen es zu Etwas zu bringen, was wir heutzutage dem günstig organisirten Centralorgane, dem Gehirne, zuschreiben, nannte man damals מזל, 1) Dass R. Jochanan, der den Beweis für seine Behauptung der Stelle in Jeremias entlehnt: «So spricht der Herr, gewöhnt euch nicht an die Weise der Heiden und ängstigt euch nicht vor den Himmelszeichen, mögen auch die Heiden sich davor ängstigen» (Jer. 10, 2.) nicht einfach daraus den Schluss zog, dass die ganze astrologische Kunst nichtig und trügerisch sei, und dass die Heiden nur aus Unwissenheit vor solchen Zeichen sich ängstigten, sondern auf die gesuchte Deutung verfiel, dass diese Zeichen nur für Israel ihre Macht verlieren, beweist eben, wie schwer es ist, von den Anschauungen der Zeit sich gänzlich loszusagen. 2) Hamburger a. a. O. meint: «In Betreff des Glaubens an astrologische .Zeichen unterschieden sich die babylonischen Talmudlehrer von den palästinensischen; während diese Nichts davon hielten, konnten jene sich noch immer nicht von ihnen lossagen. Sabbat 15. b.» Allein von den vier Gelehrten, die dort (wenigstens in Bezug auf Israel) den planetarischen Einfluss negiren (R. Akiba, R. Jochanan, Rab und Mar Samuel) sind die beiden letzteren Babylonier, ja der einzige, der dagegen spricht (ל(יש מזל לישראל R. Chanina, ist ein Palästinenser.