Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1881
- Date
- 1881-01-01
- Page
- – (sequence 96)
- Language
- German
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93 Andere Rabbinen hingegen tadeln die Sucht, die Zukunft erschauen zu wollen und geissein mit Ernst und Spott jede Art von Wahrsagerei und Ahnungskunst. So lehrt Rabbi (nach einer anderen Lesart: R. Levi) Nedarim 32. a.: כל המנחש לו נחש «Nur wer an böse Vorbedeutungen glaubt, dem schaden sie,» und ein Anderer: Wer sich niemals mit Wahrsager eien und Ahnungskünsten befasst, der hat sich unter den unmittelbaren Schutz Gottes gestellt und nimmt (in diesem Punkte) einen höheren Rang ein als die Engel Gottes1). Ferner: Wer ganz und ungetheilten Herzens Gott vertraut, den nimmt auch Gott ganz in seinen Schutz und er braucht nicht ängstlich nach Zukunftsdeutungen auszuschauen, (ibid.) Selbst die astrologischen Schwärmereien, von denen bekanntlieh in alter Zeit selten Jemand sich ganz frei zu machen verstand, und die ihre Schatten auch noch in die neuere Zeit hineinwarfen, wurden von vielen Rabbinen wenigstens theilweise beschränkt. Den planetarischen Einfluss auf die Geschicke der Menschen ganz wegzuleugnen, wäre damals den Zeitgenossen wie eine Ableugnung allbekannter Thatsachen erschienen. So lehrt die Boraita (Pesachim 113. b.) auch nur: אין שואלין בכלדיים שנאמר חמים ר*זי' עם ר' אלהיך «Man befrage die Chaldäer (Sterndeuter2) nicht, denn es heisst: Sei ungetheilten Herzens mit dem Ewigen, deinem Gotte!» (5. Mos. 18, 13). Also nicht, weil ihre Kunst nichtig, sondern nur weil es sich geziemt, in allen Wechselfällen des Lebens Gott allein zu vertrauen3). Allein, wenn die meisten Rabbinen auch nicht wagten, offen gegen den Glauben an die Astrologie aufzutreten, so suchten sie doch, denselben sehr zu beschränken, theils, indem sie für Israel einen Ausnahmezustand constatirten (אין מזל לישראל, Sabbat 15. b.), welcher Grundsatz im Namen eines der grössten Tannaim ף Der Mensch, allen Zufälligkeiten und Wechselfällen des Lebens ausgesetzt, ist leicht versucht, auf Wahrsagereien für die Zukunft zu horchen; wer diesem Gelüste aus Gottvertrauen widersteht, steht höher, als die Engel, die solchen Versuchungen gar nicht ausgesetzt sind. 2) Wenn Raschi z. St. meint, es seien unter כלדיים Todtenbeschwörer ge- ■ meint, so haben dem schon Raschbam z. St., Tosafot Sabbat 15. b. und Ramban, Gutachten Nr. 282 widersprochen, ja Raschi selbst erklärt das Wort בלדאי (Sabbat ibid.) mit חוזים בכוכבים• 3) חמים תהי'׳ להיות בוטח בו בכל קורות ונולרות הבאות לך (Raschbam).