Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1881
- Date
- 1881-01-01
- Page
- – (sequence 94)
- Language
- German
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91 Rab Chan an. Als er, nahe dem Bestimmungsorte, bemerkte, wie die •Fährte ihm entgegenkam, da sprach er: «Die Fährte kommt mir entgegen, vermuthlich wird hier ein Fest gefeiert.» Raschi commentirt nun folgendermassen: «Es ist das eine g־ute Vorbedeutung für Reisende, wenn ihnen die Fährte von selbst entgegenkommt, ohne dass sie dieselbe bestellt haben, da pflegt in dem Hause, in welchem sie Nachtquartier halten, ein Fest zu sein.» Raschi hatte guten Grund also zu commentiren, da aus der Gemara dort hervorzugehen scheint, dass die späteren Amoraim die Handlungsweise Rab’s als eine Art von Wahrsagerei auffassten und ihn nur damit zu rechtfertigen suchten, dass er sich nicht ganz darauf verlassen habe 1). In Wirklichkeit halte ich aber dafür, dass Rab an Nichts weniger als an Wahrsagerei oder mystische Vorbedeutung dachte, sondern dass er auf eine ganz natürliche Weise aus dem Umstande, dass die Fährte ihm ohne directe Bestellung entgegen kam, den Schluss zog, es müsse ein Fest im Orte sein, so dass der Fährmann noch viele ankommende Fremde erwarte und daher immer von Neuem ans jenseitige Ufer fahre, ohne erst Bestellungen abzuwarten. Wenn nun die Gemara später sagt: רב בדק במברא, so hatte man als Beweis dafür vermuthlich kein anderes ״Factum als das eben erzählte und ganz ähnlich wie kurz vorher bei einer anderen Sache gesagt worden: והא דרב לאו בפירוש אתמר אלא מכללא אתמר (ibid. a.), so ist auch hier blos indirect ein Schluss gezogen worden. Nach unserer Auffassung ist der dort angeführte Ausspruch Rab’s: כל נהש שאינו כאליעזר עבד אברהם וביונתן בן שאול אינו נחש nicht mit Maimonides (Jad hachasaka הל עברם 11. 4.) so zu verstehen, als ob die Zeichen, deren sich Elieser und Jonathan bedient haben, zu den verbotenen, vielmehr mit רא5!ד (ibid.), dass sie zu den erlaubten gehören2) und zwar, wie schon R. Nissim (המש שיטות להר״ן z. St.) hervorhebt, weil diese Zeichen ja eigentlich nicht mystischer Natur, sondern ein natürliches Product vernünftiger Ueberlegung seien. Der Diener Abrahams, Elieser, erbat sich von Gott, dass es ihm gelingen möge, eine für den Sohn seines Herrn passende Gattin aufzufinden und knüpfte an die 1) S. die Commentare zu den Worten: אלא דנחיש והאמר רב וכל• 2) Der Sinn, ist demnacli: Ein Zeichen, das (in Bezug auf Vernünftigkeit und Natürlichkeit) mit dem des Elieser und Jonathan nicht übereinstimmt, darf nicht an gewendet werden. — Warum Maimonides das anders auffassen musste, soll in Abschnitt F. im Zusammenhänge mit dem ganzen System Maimonides’ erörtert werden.