Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1881
- Date
- 1881-01-01
- Page
- – (sequence 92)
- Language
- German
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2720904-2720951--091-2723576- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Rashi 1× ep/1002670
OCR text
89 allerlei falsche Anschauungen im Schwange waren. So sagt R. Abba (Kiduschin 59. a.): לא מסמנא מילתא «die Sache ist nicht von guter Vorbedeutung.» So lehrt ferner R. Ammi (Keritot 5. b.): «Wer eine Vorbedeutung haben will, ob es ihm das ganze Jahr hindurch gut g־ehen werde, der kann es aus einem in den ersten Tagen des Jahres in einem halbdunklen Hause*) aufgestellten Lichte erkennen, ob es nämlich während der ganzen Zeit seines Brennens klar bleibt.» Ein ähnliches Zeichen giebt er an, um zu erkennen, ob ein zu unternehmendes Geschäft gelingen wird. Noch ein anderes, um zu wissen, ob er von einer Reise glücklich zurückkehren werde. Dieses letztere war den Rabbinen doch zu stark, denn sie bemerken: «Das thue man nicht, denn wenn das Zeichen ungünstig ausfiele, so würde der Mensch sich das zu Herzen nehmen und könnte dadurch dasjenige herbeiführen, was er gern vermeiden will — nämlich, die nicht glückliche Rückkehr»* 2). Harmloser schon ist, was Abaji daran knüpft: «Da nun angenommen wird, dass eine Vorbedeutung Etwas auf sich habe3), so geniesse man am Neujahrsfeste solche Speisen, deren Namen ein günstiges Zeichen enthalten.» Ich sagte, das sei schon harmloser, denn es ist nicht wie das Frühere, eine Art Wahrsagerei oder eine Sucht, die Zukunft zu erspähen, sondern nur ein Mittel, sich im Gottvertrauen zu befestigen und sich für das Leben im neuen Jahre neuen Muth einzuflössen4). Hierher gehört folgende Boraita (Ketubot 103. b.): «Ist Jemand in der Todesstunde heiter, so ist das ג) In Horajot 12. a. ist eine andere Lesart: «in einem dem Luftzuge nicht ausgesetztem Hause.» 2) In Horajot ibid. commentirt Raschi: «Während das Zeichen selbst ein unsicheres ist — es kann ungünstig lauten und doch für den Betreffenden ohne Nachtheil sein — nimmt der sich Grämende sicherlich Schaden.» .השתא דאמחז סימנא מילתא היא ף 4) Ob Abaji selbst, dessen Hinneigung zum Superstitiösen uns genugsam bekannt, nicht an die mystische Macht des Omens geglaubt, lassen wir dahingestellt, jedenfalls brauchen wir das bei den Decisoren in Schulchan Aruch Orach Chajim Cap. 583 (die den Genuss solcher Speisen am Neujahrsfeste als Sitte anführen) nicht vorauszusetzen, vielmehr das im Texte angegebene Motiv; (worauf schon der Umstand hindeutet, dass sie die vom Tur citirten Omina des R. Ammi weglassen und nur das des Abaji anführen). Näheres in Abschn. F. Bei dieser Gelegenheit sei mir gestattet, über das Leben Abaji’s Einiges nachzutragen. «Abaji, mit dem Beinamen Nachmani, war elternlos; sein Vater starb vor, seine Mutter gleich nach seiner Geburt. Eine Erzieherin ersetzte ihm die Mutter, sein Oheim Rabba den Vater. Mit Dankbarkeit und Rührung sprach er später von seiner Pflegemutter und theilte in ihrem Namen verschiedene Heilmittel mit, die theils