Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1881
- Date
- 1881-01-01
- Page
- – (sequence 91)
- Language
- German
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88 euer Gott das nicht auf, indem er diese Götzen vernichtet?» «Vielleicht würde er es thun,» meinte der Rabbi, «wenn eure Verehrungsgegenstände sich nur auf der Welt unnütze Dinge beschränkten, allein ihr betet Sonne, Mond und Sterne an, sollte etwa Gott um der Narren willen seine Welt zerstören1)?» Man sieht, dieser ganze Dialog dreht sich um folgenden Gedanken: Der heidnische Gelehrte versuchte den Beweis zu führen, dass der Mosaismus selbst den Göttern eine gewisse Macht zuschreibt, weil es sonst nicht zu begreifen wäre, warum er gegen ein Unding so sehr eifern sollte, während der Rabbi hervorhebt, dass gerade die Nichtigkeit der Götzen es ist, die den Eifer Gottes hervorruft, und zwar nicht gegen die todten Götzen, sondern gegen die unüberlegten Menschen, die von solchem Unsinn sich bethören lassen. Haben wir nun zwar aus dem Bisherigen erkannt, dass die meisten Rabbinen und darunter die grössten Capacitäten derselben (wie R. Gamaliel, R. Akiba u. A.) sich davon überzeugt hielten, dass weder den Götzen, noch allem damit im Zusammenhänge Stehenden (wie Zanberei und dergl.) irgend eine Macht zuzuschreiben sei, und dass alle diese Dinge gerade um ihrer Nichtigkeit willen so streng verpönt sind; so sind wir doch auch einigen begegnet, die sich von dem Wahne nicht losmachen konnten, in den Götzen liege allerdings eine Macht, aber eine unreine, ungöttliche, und nur deshalb sei die Verehrung derselben verpönt2). Wenn solche Anschauungen über den Götzendienst, gegen den das Judenthum doch überall mit Feuereifer ankämpft, sich geltend machen konnten, was Wunder, dass über Vorbedeutungen, Ahnungskünste u. dgl., die zwar ebenfalls, aber immerhin nicht in dem Masse wie der Götzendienst, im Judenthume verpönt waren, ף Diese letzte Redewendung ist der Mischna ibid. entnommen, wo ein ähnliebes, aber׳ viel kürzeres Gespräch zwischen römischen Gelehrten und Rabbinen angeführt wird. Doch wird dort noch Folgendes hinzugefügt: «Die Heiden: dann hätte ja Gott die der Welt entbehrlichen Verehrungsgegenstände vernichten, die nothwendigen dagegen (wie Sonne, Mond und Sterne) bestehen lassen können? Die Rabbinen: Das würde dann die Menschen zu dem Irrthume verleiten, dass die verschont gebliebenen die echten Götter sind.» 2) Vgl. auch den jerusalemischen Talmud, Sabbat Abschn. 14, wo gelegentlich einer Controverse über Heilungen durch Dinge, die mit dem Götzendienste im Zusammenhange stehen, die Meinung geäussert wird, dass die Heilung selbst einer lebensgefährlichen Krankheit, die dadurch bewirkt wird, dass der unreine Name eines heidnischen Gottes dem Kranken ius Ohr geflüstert werde, rituell nicht gestattet sei. Es wird also die Möglichkeit einer solchen Heilung dort nicht bestritten.