Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1881
- Date
- 1881-01-01
- Page
- – (sequence 90)
- Language
- German
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87 den Götzen alle und jede Macht absprechen. So wird (a. a. O.) ein gewisser Sunan angeführt, der zu Rabbi Akiba sagt: «Wir sind Beide davon durchdrungen und überzeugt, dass die Götzen nichtig sind, woher mag• es denn doch kommen, dass Kranke in den Götzentempel gehen, um Heilung zu erflehen und denselben bisweilen geheilt verlassen?» Darauf R. Akiba: «Da alle Dinge in der Welt, also auch die menschlichen Leiden einmal ein Ende nehmen; sollte vielleicht Gott — wenn zufällig das Ende eines Leidens mit dem Besuche eines Götzentempels zusammenfallt — die Naturgesetze aufheben, damit der Dumme nicht irre gehe1)?» Ferner heisst es (ibid. 54. b.): Ein (heidnischer) Gelehrter2) fragte den R. Gamaliel: «Nach eurer Lehre eifert euer Gott so sehr gegen die Götzendiener, warum eifert er nicht gegen die Götzen selbst?» «Ein Beispiel,» entgegnete R. Gamaliel, «wird dir das erklären! Ein Ivönig־ssohn legt den Namen seines Vaters seinem Hunde bei, dem er königliche Verehrung erweist; wenn nun der König darüber sich ereifert, richtet sich etwa dieser Eifer gegen den Hund und nicht vielmehr gegen den Sohn? Ebenso eifert Gott gegen die Menschen, die seine Ehre einem Hunde beilegen, aber wozu sollte er sich gegen einen Hund, gegen ein Unding ereifern?» «Wie», sagte der Gelehrte, «ein Unding nennst Du unsere Götter? Ich will dir beweisen, dass sie doch eine Macht sind. In unserem Orte brach eine Feuersbrunst aus, wobei Alles in Flammen aufging, nur der Tempel unserer Götter wurde verschont.» «Auch das,» sprach der Rabbi — «soll dir ein Bild erläutern. Ein König überzieht ein Land, das sich gegen ihn empört hat, mit Krieg, führt er diesen Krieg etwa gegen die Todten oder gegen die Lebenden, doch gewiss nur gegen die Lebenden; nun denn, wozu sollte Gott mit den todten Götzen Krieg führen?» ־ — «Also», meinte der Heide, «du nennst unsere Götter Todte, Hunde, sie sind in deinen Augen ein Unding, ein Nichts, denen aber trotzdem so viele Menschen anhängen, warum hebt ]) In Abschn. G. soll noch besprochen werden, dass die Verschiedenheit der Anschauung in dieser Beziehung nicht bei der blossen Theorie stehen bleibt, sondern, auch halachische Conseqenzen hat. Vgl. R. Salomo ben Aderet, Gutachten 413 und 825, ferner Jo re Dea, Cap. 17. § 1 über Heilungen gewisser Krankheiten durch Talismane oder durch Zaubermittel. S. Sifte Cohen und Keneset Hage« dola dort. -) DID'iפלוס im weiteren Sinne ist bei den Rabbinen jeder griechische oder römische Gelehrte.