Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1881
- Date
- 1881-01-01
- Page
- – (sequence 86)
- Language
- German
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83 Dämonen ־ Fürsten Asmodai conjecturirt, ist grosstentheils zutreffend1). gewährte. Wenigstens lässt sich das dort über einen Dämon Berichtete (dass dieser nämlich der Citation vor das Forum eines Rabbi Folge leistete und die ihm aufgelegte Geldbusse unweigerlich zahlte) nicht gut anders erklären, wenn wir nicht die ganze Erzählung für eine blosse Volkssage halten wollen, was wir ohne Noth nicht gern annehmen. Im Begriffe diesen Bogen dem Drucke zu übergeben, kommt mir eine Note von Schorr im Hechaluz, 7. Jahrg., S. 18—19, zu Gesichte, in der die sinnreiche Bemerkung gemacht wird, dass Jebamot 122. das Wort Jonathan von dem Worte שירא zu trennen sei, die Bedeutung des Satzes sei also: למדני יונחן «Es lehrte mich Jonathan», שירא בבואה אית לה ו וכל «ein Dämon hätte einen Schatten etc.» Somit ,wäre Jonathan dort einfach ein Gelehrter, nicht ein Dämon, Beweis dafür sei, dass derselbe im Jeruschalmi z. St. nicht Jonathan schlechtweg, sondern R. Jonathan heisse, und im Babli Gittin 66. heisse es dafür: «Es lehrte mich mein Sohn Jonathan.» Soweit Schorr. (Die Steilenangabe des Jeruschalmi dort: Sabbat 16., ist ein Druckfehler.) Zu bemerken ist jedoch, dass dann in Jebamot a. a. O. eine kleine Emendation vorzunehmen wäre. Entweder müsste es heissen אית לי statt ׳איה לה ו oder שידי statt שידא. 1J Ueberhaupt ist der ganze Artikel אשמדאי im ערך מלין lesenswerth. Ich will hier nur auf drei Punkte aufmerksam machen. 1) auf den Vergleich zwischen der jüdisch-babylonischen Salomo-Asmodai-Sage und der deutschen Faust- Mephisto-Sage und auf die geistvolle Durchführung dieses Vergleiches; 2) auf die sinnreiche Beobachtung, dass die Dämonologie der palästinensisch-rabbinischen Schriften eine ganz andere (geistigere) als die der babylonisch-rabbinischen sei; 3) auf die mir richtig scheinende Vermuthung, dass die von Buxtorf im Namen eines ehemaligen Juden gegebene und später in die deutsche Literatur übergegangene Definition des Asmodai als «Eheteufel» auf einer irrthümlichen Auffassung einer Talmudsteffe Seitens jenes Juden beruhe. Die Worte (Pesachim 110. a.) אשמדאי מלבא דשירי ממונה הוא אכלהו לוגי• «Asmodai, der Dämonenfürst, hat Macht über alle Paare», hat derselbe nämlich von «Ehepaaren» verstanden, während in Wirklichkeit זוגי dort die «geraden Zahlen» bedeutet, nach dem auch von mir oben angeführten, im Alterthume verbreiteten Glauben, dass die Dämonen über die «geraden Zahlen» Macht hätten und nur die ungeraden Zahlen vor ihnen geschützt seien. So weit Rapoports Conjecturen. Ich füge hinzu: Noch weit eher könnte im Sinne des Talmuds der Satan als «Eheteufel» oder richtiger als «Zankteufel» angesehen werden. So heisst es Gittin 52. a.: R. Meir hörte von einem Paare — vermuthlich einem Ehepaare —, das an jedem Freitag Abend beim Eingänge des Sabbat — also gerade in der Zeit, die der festlichen Ruhe geweiht ist — vom Satan angereizt wurde, mit einander zu zanken. R. Meir gab sich Mühe, dass das drei Sabbate hintereinander unterblieb, da hörte er eine Stimme rufen: «Wehe, man hat mich aus diesem Hause vertrieben.» Doch sieht man leicht, dass dies bildlich aufzufassen und ein Seitenstück zu dem Ausspruche ist: Isch und Ischah (Mann und Weib) haben, so lange sie würdig sind, den Namen Gottes unter sich (von איש das מד von אישה das ה״א—Raschi); machen sie sich durch Streit unwürdig, dann zieht Gott seinen Namen zurück und es 6*