Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1881
- Date
- 1881-01-01
- Page
- – (sequence 85)
- Language
- German
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82 sattelte Maulthiere auf die beiden Brücken von Ronag hingestellt, und er sei von dem einen auf das andere gesprungen und habe dabei aus zwei Bechern den Wein aus dem einen in den anderen und wieder zurück gegossen, ohne dass ein Tropfen auf die Erde fiel, obschon das Wetter gerade sehr stürmisch war. Endlich sei er von der Regierung (als staatsgefährlich) hingerichtet worden. — Nun, das Alles könnte uns auch jetzt ein Reisender berichten, nur dass er sich heutzutage wohl einfacher ausclrücken würde: «Ich habe einen ausgezeichneten Akrobaten, Kunstreiter und Jongleur in einer Person gesehen,» während damals solche Kunststücke in den Augen des Volkes, vielleicht auch in den Augen mancher Rabbinen, als übernatürlich galten. Auch von dem Umstände, dass jener Künstler Namen von Dämonen führt (Ahriman Sohn der L i 1 i t), dürfen wir uns nicht beirren lassen, da wir mit Rapoport1) annehmen dürfen, dass Menschen, die, sei es durch ihre ausserordentlichen, fast übermenschlichen Leistung*en, sei es durch ihr sonderbares und unerklärliches Benehmen, nicht in den Rahmen der Gewöhnlichkeit und Alltäglichkeit hineinpassten, von den Babyloniern als Dämonen angesehen wurden, wie z. B. יוסף שירא 2יונתן שירא)• Auch was Rapoport dort über den sog'enannten x) A. a. O. S. 244 und 248. 2) Jebamot 122. a., Gittin 66. a. und Pesacliira 110. a. Rapoport führt auch den Commentar des רשב״ם zu Baba Batra an, der (sich nicht zu erklären wissend, wie ein Dämon öffentlich vor Menschen seine Künste produciren, und wie die Regierung seiner habhaft werden und ihn hinrichten lassen konnte) den Ahriman bar Lilit für einen von einem Menschen und einer Dämonin erzeugten Halbdämon hält, der seinen Aufenthalt unter den Menschen genommen. Er hätte aber auch Ra sc hi zu Jebamot 122. a. anführen können, der die Worte למדני יונתן שירא «es lehrte mich Jonathan, der Dämon» wie folgt commentirt: שד חי או בקי בחן: «Jonathan war ein Dämon oder Einer, der in der Dämonologie bewandert war.» In letzterem Falle wurde er also nicht einma. für einen Dämon gehalten, sondern er wurde als guter Dämonologe, der angeblich in die Geheimnisse der Dämonen eingeweiht war, über dergleichen Dinge um Auskunft und Rath angegangen. Solche Dämonologen identificirten sich selbst in ihren Lehrsätzen mit den Dämonen, s. Pesachim 110. a. קטלינן «wir tödten» (vielleicht zu emendiren durch קטלי «sie tödten», nämlich — die Dämonen). (Vgl. auch Erubin 43. b. ודילמא יוסף שידא אמרינהו/ welche Stelle sich nicht anders erklären lässt, als dass man solche Personen für abtrünnige Menschen hielt, die den Sabbat entweihen, wenn nicht gar für wirkliche Dämonen). Aus Chulin 105. b. geht jedoch hervor, dass es in der That solche Menschen gab, die ihre Zeitgenossen für wirkliche Dämonen oder Dämonenabkömmlinge hielten, ja man ist fast versucht anzunehmen, dass diese selbst den festen Glauben an ihre eigene Dämonennatur hatten oder diesen Ruf sich zu wahren trachteten, der ihnen vielleicht anderweit Vortheile