Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1881
- Date
- 1881-01-01
- Page
- – (sequence 80)
- Language
- German
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77 tanzt1),» dahin interpretirt, dass diese Vorsicht sich besonders auf die Tage des Monats Nissan beziehe, so hat das zwar, wie Raschi bemerkt, seine Berechtigung, weil die in diesem Monate frische und üppige Weide den Stier übermüthig und stössig macht; allein was ausserdem noch von ihm gesagt wird: בשור שחור ist des Mysticismus stark verdächtig. Kommen wir jetzt zu dem, was die Lehrer des Talmuds über Zauberei im Allgemeinen sagen. Dass in jener Zeit der Glaube an die übernatürliche Macht der Zauberei allgemein war, ist bekannt, und es kann uns weniger Wunder nehmen, dass eine Anzahl Talmudisten demgemäss sprechen und handeln, als dass einzelne derselben, und zwar sehr fähige und bedeutende, wenn sie auch nicht wagen, offen gegen diesen Glauben aufzutreten, doch ziemlich unverhohlen ihre wahre Meinung durchblicken lassen. So wird (Sanhedrin 67. b.) erzählt: Eine Frau gab sich Mühe, von einer Stelle, auf welche R. Chanina seinen Fuss gesetzt hatte, Erde zu holen (um Zauberei gegen ihn anzuwenden2). «Wenn du es vermagst, dann mache was du kannst!» sagte R. Chanina, «die Schrift sagt: Es giebt keine Macht ausser Ihm3)». Freilich fragt dort die Gemara: «Wie verträgt sich das mit dem Aussprüche שהשטן מרקד בין קרניו (ז. Es ist das ein bildlicher Ausdruck, der die Wildheit des Stieres bezeichnet, siehe רשים z. st. מפגי שהשטן מרקד לאו דוקא אלא משוגע Vgl. Megiiia 11. b. בא שטן וריקד ביניהן והרג אח ושתי, womit die tolle Wirtschaft am Hofe des Königs אחשורוש bezeichnet wird. 2) Hamburger, «Geist der Hagada», Artikel «Aberglaube», führt dieselbe Er- Zahlung aus Chulin 7. b. an und übersetzt also: «R. Chanina rief einer Frau zu, die sich heimlich in das Zimmer schlich und mehrere Male unter seinem Bette Erde zusammenscharrte u. s. w.» דהו קא מהדרא למישקל heisst aber nicht: «Sie nahm wiederholt» (das müsste heissen ׳(שקלא והדרא ושקלא sondern sie bestrebte sich zu nehmen; s. Raschi ibid. מהדרא• מהזרת וטורחת שלא יבין; ebenso kann מתותי כרעיה דר״ה nicht übersetzt werden «unter seinem Bette» (denn dann hätte es heissen müssen: 'מתותי ערסי oder י(מתותי כרעא דערסי' דר״ח sondern «unter seinem Fusse», daher meine Uebersetzung.. — Gelegentlich bemerke ich, dass die nach dem Vorgänge des Aruch von Levy (Neuhebr. Wörterbuch s. v. הדר) gegebene Erklärung der Worte ׳מהדרי; מן המהדרין Sabbat 21. b.: «Diejenigen, welche ein göttliches Gebot auf das schönste, sorgfältigste vollziehen», wohl ihre Berechtigung hat (vgl. הידור מצוה)• Doch Raschi hier nimmt die Worte anders; er sagt nicht: ׳מהדרין את המצות sondern ׳מהדרין אחר המצות was «bestrebt sein», oder «sich um die genaue Erfüllung der Gebote bemühen» bedeutet. 3) In Chulin 7. b. lautet die Antwort R. Chaninas ein wenig anders. «Nimm immerhin, es wird dir nicht gelingen, denn — es giebt keine Macht, ausser Ihm — sagt die Schrift,» was aber dem Sinne nach auf dasselbe liinausläuft.