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Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung · 1881-01-01 · 1881 · page 79

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Journal
Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
Volume
1881
Date
1881-01-01
Page
– (sequence 79)
Language
German
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IRI
…/2720904-2720951--078-2723563
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76 der Nachkommenschaft Josefs, über die der böse Blick keine Macht hat!» Lässt es sich nun denken, dass R. Jochanan, wenn er an die magische Macht des עין הרע geglaubt, sich auf solche Unterscheidungen eingelassen hätte? Gilt da nicht vielmehr das Wort (Aboda sara 30. a.): פירוקא לסכגחא «Giebt es eine Antwort auf eine Gefahr?» oder auch: «lässt sich eine Gefahr durch Haarspaltereien beseitigen?» Und muss man sich nicht noch mehr verwundern, dass er an sich selbst ein solches Experiment gemacht haben soll? Sonst pflegt der Talmud zu fragen: אלו בדידך הוי מי הוית מזלזל בה כולי האי «Wäre es bei dir selbst der Fall gewesen, könntest du es auch so geringschätzig behandeln1)?» Anders ist es, wenn er bei עינא בי'1זא nicht an eine mystische Macht, sondern nur an eine natürliehe Vorsicht gedacht hat, über die er sich auch — wenn er seine guten Gründe dazu hat — bisweilen hinwegsetzen kann2). Andere scheinen aber das Wesen des עין הרע viel strenger genommen zu haben. Denn als einst Rab einen Friedhof überblickte, sagte er: Neun und neunzig von den hier Ruhenden, sind durch das böse Auge gestorben 3). Mar Samuel hingegen konnte das mit seiner ärztlichen Erfahrung* nicht vereinbar finden und meinte, es sei meist die Luft schuld, (Erkältung, Zugluft u. dgl. — s. Raschi z. St.). Mar Samuel ist überhaupt in seinen Anschauungen mehr rationell. Was er Sabbat 129. b. über die Tage, an welchen Aderlass statthaft sei, ausspricht, ist mehr astrologischer Natur, und auch die Aufgeklärtesten jener Zeit konnten sich von astrologischem Wahne nicht frei machen. Nicht zu verwechseln mit Mar Samuel ist der in Pesachim 112. b. erwähnte R. Samuel. Wenn dieser den Ausspruch Rabbi’s: «Man stelle sich dem Ochsen (Stier) nicht in den Weg, wenn er von der Wiese heimkehrt, weil Satan zwischen dessen Hörnern ג) Vgl. über diese Redewendung auch Ketubot 23. a. S. ferner Jebamot 64. b. ומי איכא דעביד עובדא בנפשי׳ כי האי־ -) Aelmlich verhält es sich wohl auch mit der Stelle in Baba Batra 118. a. und b., in der es heisst, dass die Söhne Josefs die ihnen von Josua empfohlene Vorsicht, sich vor Neid zu hüten, im Vertrauen auf ihre Abstammung zurückgewiesen hätten. Allein aus einer solchen Deutung lässt sich Nichts deduciren (אין למדין מן ׳ההגדות־ während bei R. Jochanan ein Factum erzählt wird (ומעשה רב)• 3) Baba Mezia 107. b. — Das Ungeheuerliche, das in diesen Worten liegt, wird auch von Tosafot z. St. gefühlt und die Frage aufgeworfen; «demnach müssten ja die Nachkommen Josefs, über die nach der Tradition das böse Auge keine Macht hat, sich im Verliältniss zu den anderen Stämmen ins Ungeheuere vermehren. Man müsse daher annehmen, dass der Ausgleich nach dem Willen Gottes auf andere Weise bewirkt wird.»

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