Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1881
- Date
- 1881-01-01
- Page
- – (sequence 76)
- Language
- German
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2720904-2720951--075-2723560- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
73 nicht ohne Einfluss geblieben. Es wird nicht leicht ein jüdischer Redner von Eventualitäten der Zukunft in ungünstigem, geschweige denn in pessimistischem Sinne sprechen. Auch in Privatgesprächen wird das in jüdischen Kreisen gern vermieden. Man wird nicht leicht von einem eventuellen Erkrankungsfalle sprechen, ohne hinzuzufügen «was Gott verhüten möge,» ebenso wird man nicht leicht von seinem eigenen oder eines Anderen bevorstehenden Tode sprechen, ohne etwa hinzuzufügen «den Gott in seiner Gnade noch fern sein lasse.» In älterer Zeit scheint man weniger darauf geachtet zu haben, solche Bemerkungen beizufügen. So z. B. spricht Jehuda von Benjamin: «Wenn er nun den Vater verlässt, so stirbt er 1) ועזב את אביו ומת. Mos. 44, 22) 1j, von Jakob: «Und es wird geschehen, wenn er sieht, dass der Knabe nicht da ist, so stirbt er» (ibid. 31). Ferner Joseph: «Ich sterbe, aber Gott wird euch einst bedenken u. s. w.» (ib. 50, 24); oder Moses: «Siehe, schon bei meinem Leben seid ihr oft widerspenstig gegen den Herrn, um wie viel mehr nach meinem Tode» (5. Mos. 31, 27); oder David von Saul: «Wer wollte sich an dem Gesalbten des Herrn vergreifen und ungestraft bleiben? So wahr der Herr lebt, wenn Gott ihn nicht heimsucht, dass er eines natürlichen Todes stirbt oder im Kriege fällt, so sei es fern von mir u. s. w.» — Man weiss, wie ergreifend David dann Sauls Tod betrauert hat, aber er fand es nicht nöthig, seine Worte zu verklausuliren, man war damals nicht daran gewöhnt. Doch später hat sich das in Israel geändert2). Sind die Späteren darum zu tadeln? Durchaus nicht! Je mehr die Juden im Laufe der Jahrhunderte gedrückt, verfolgt, zurückgesetzt und lieblos behandelt wurden, desto mehr zogen sie sich auf sich selbst zurück, übertrugen die ihnen innewohnenden Gefühle der Liebe, mit denen sie am liebsten allen Menschen entgeg'engekommen, wären sie von denselben nicht zurückgewiesen ף Das Wort ומת wollen Einige auch in Vers 22 vom Vater verstehen, doch רמב״ן bestreitet das; für unsere Beispiele ist das irrelevant. 2) Eine nicht unähnliche Bewandtniss hat-es mit der Bestimmung der פוסקים in ׳הל* קריאת חתורח dass man bei den vorzulesenden Paraschot stets mit etwas Gutem anfange und schliesse (s. Orach Chajim 138. 1). Doch wird darüber erst in Abschn. G. genauer gesprochen und zugleich erörtert werden, ob diese Anordnungen auf ältere Quellen zurückzuführen sind, wobei wir auch einige Gebräuche bei הזכרת נשמות zu berühren gedenken.