Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1881
- Date
- 1881-01-01
- Page
- – (sequence 72)
- Language
- German
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 89% known words query
- IRI
…/2720904-2720951--071-2723556- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Amoraim 1× ep/1003430
- Rashi 1× ep/1002670
OCR text
69 zwischen Magiern und jüdischen Gelehrten stellte sich nach und nach ein reg*er Verkehr ein — und es scheinen sogar Religionsgespräclie zwischen denselben an der Tagesordnung gewesen zu sein1). Dass von da ab auch der Einfluss der Zendreligion allmälig und in immer verstärkterem Masse sich geltend machte, istjeiclit einzusehen. Den Culminationspunkt dieses Einflusses können wir auf die Zeit der beiden berühmten Amora’s Abaji und Raba legen, da eben sehr viele mystische Aussprüche dieser beiden Lehrer und ihrer Schüler auf persisch - magischen Ursprung zurückzuführen sind. Besonders aus einer Aeusserung Abaji’s können wir so recht den Einfluss von Aussen wahrnehmen, durch welchen die natürlichsten Erscheinungen in mystisch-superstitiöse verwandelt werden. In Chulin fol. 105. b. erwähnt Abaji gewisse Bräuche, die er sich vormals auf eine ganz einfache Weise erklärt habe, später aber eines Besseren belehrt worden sei. Ich führe nur einige an: «Anfangs glaubte ich, man vermeide es nur aus Sauberkeit, bei der Händewaschung nach der Mahlzeit das Wasser unmittelbar auf die Erde zu giessen, jetzt wurde ich belehrt, dass es geschieht, weil sonst ein böser Geist dort seine Ruhestätte finde; ferner 1j Eines dieser Religionsgespräche, das in etwas späterer Zeit gehalten wurde, erwähnte ich in meiner 1849 erschienenen Schrift מדרש הזוהר S. 28. Sie lautet: א״ל ההוא אמגושא לאמימר מפלגך לעילאי דהורמיז מפלגך לתתאי דאהורמיז׳ א״ל א״כ היכי שביק ליה אהורמיזלהורמיזלעבורימיאבארעיה (Sanhedrm 39. a.) Raschi scheint das Ganze für eine blosse Prahlerei eines Zauberers zu halten, er glossirt: ,אממשא׳ מכשף ויודע אני ע״י כישוף רמחצייך ולמעלה•‘ דהורמיו, שר׳ דאהורמיז׳ הקב״ה קרי הכי׳ das Gezwungene dieser Erklärung ist augenfällig. Richtiger ist jedoch die Leseart מפלגך לתתאי דהורמין (vgl. Tosafot z. St.) Meine Erklärung dort lautet also: «Ein Magier (Parse) sprach zu Amemar: die obere Hälfte deines Körpers (als Sitz der Geisteskräfte) gehört dem Ormuzd, die untere (als Sitz der thierischen Begierden) dem Ahriman. Ei, versetzte Amemar, wie würde dann Ahriman zugeben, dass der von oben herabkommende (aus den eingenommenen Speisen entstehende) Unrath sein Gebiet passire?» (Wie Hesse sich nämlich, bei Voraussetzung zweier Principien, das harmonische Zusammenwirken aller Theile des Organismus erklären?) Ein halbes Jahr darauf gab der sei. F. Lebrecht, noch ein Jahr später auch der sei. H. Chajes dieselbe Erklärung. Ersterer war ebenso gerecht als bescheiden, mir dann öffentlich (Z. d. Judenthums 1849, S. 651) die Priorität für diese (allerdings einfache und fast selbstverständliche, aber bis dahin doch nirgends erwähnte) Erklärung zuzuerkennen. Bemerken will ich noch, dass, wie solche Religions-Disputationen fast immer zuletzt zum Unfrieden führen, so auch hier. Einige Zeit darauf brachen in Persien heftige Verfolgungen der Juden aus.