Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1881
- Date
- 1881-01-01
- Page
- – (sequence 71)
- Language
- German
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68 erwachte. Man kann bei einiger Aufmerksamkeit diesen zunehmenden Einfluss ordentlich verfolgen. So lange die eigentlichen Magier oder Gebern (חברין) im Reiche und bei Hofe noch nicht in Ansehen standen, also ihre Partei noch nicht zur Herrschaft gelangt war1), konnte von einem Einflüsse derselben nicht die Rede sein und selbst als später der Magier-Cultus der herrschende geworden2), war, so lange zwischen Juden und Magiern eine gewisse Gereiztheit, ja Feindschaft bestand3), dieser Einfluss nur gering4). Erst als das Verhältniss zwischen Juden und Neupersern sich freundlicher gestaltete5), da war die Bahn gebrochen, auch 1) Z. B. zur Zeit Artab'ans, des Freundes und Verehrers Rabs. 2) Ardscliir, der Besieger des Artaban und der Begründer des neupersischen Reiches der Sassaniden, zeigte schwärmerischen Eifer für den uralten Magier-Cultus. Zoroasters Religionslehre von dem Doppelprincipe des Lichtes und der Finsterniss (Ormuzd und Ahriman) wurde überall eingeschärft. Ein ausgewählter magischer Weiser erhielt von dem Könige den Auftrag, die alten in Vergessenheit gerathenen Religionsgesetze Zoroasters wiederherzustellen. (S. Graetz, Gesch. d. J., Bd. 4, S. 291 f.) 3) «Als man dem R. Jochanan mittheilte, die Gebern (Parsen) seien nach Babel gekommen (י(אתו חברי לבבל war er von Entsetzen ergriffen» (Jebamot 63. b.) «Rab lehrte: Besser ist es einem Araber unterworfen zu sein, als einem Römer, besser einem Römer als einem Geber.» (Sabbat 11. a. nach der richtigen Uebersetzung Levy’s, Neuhebräisches Wörterbuch s. v. ׳חבר vgl. auch Raschi und Tosafot z. St.) «Rabba bar bar Chana (Rabba, Enkel des Chana), war über die Nörgeleien der Gebern so erbittert, dass er ausrief: Allbarmherziger, lass uns in deinem Schutze oder wenigstens in dem der Römer wohnen.» (Gittin 17. a.) Alle diese und noch ähnliche Aussprüche weisen auf eine grosse Eingenommenheit der Juden gegen die Neuperser oder Gebern hin. Wenn übrigens Levy a. a. O. s. v. חברא auch die Worte מן חבריא את הדר לעפריך (Sanh. 65. b.) auf die Gebern beziehen will, so ist das unhaltbar, vielmehr zeigt der Zusammenhang, dass מן הבריא dort, «von unseren Genossen, d. i. den Rabbinen» erklärt werden muss. 4) Rab nannte die Magier Gotteslästerer (גדופי) und meinte, wer auch nur ein Wort von ihnen lernte, verdiene den Tod הממש חייב מיתה p הלומד דבר אחד (Sabbat 75• a•) Sein College Samuel war zwar nicht so streng, er lernte Manches von den Magiern, pflegte mit seinem Freunde Ablaat die Sternkunde, war aber vorsichtig und legte aus seinem jüdischen Bewusstsein heraus kein Gewicht auf astrologische Nativitätswahrsagerei (Graetz a. a. O. S. 288 f. nach Sabbat 156. b.) Auch Rab und der palästinensische Amora R. Jochanan wiesen dergleichen astrologische Träumereien entschieden ab. (Sabbat 156. a.) Wenn, wie wir noch weiter unten sehen werden, diese drei berühmten Amora’s dennoch bisweilen zur Mystik hinneigten, so war es nicht derart, dass dabei an einen verstärkten Einfluss der Zend-Religion gedacht werden müsste. 5) Nicht nur Samuel, sondern selbst der strenge Rab machte manche Concession, um der herrschenden Priesterkaste der Magier keinen Anstoss zu geben. Diese gegenseitige Duldung trat ohne Zweifel erst unter der Regierung des milden Schabur I. ein, der mit Samuel befreundet war. (Graetz a. a. O. S. 293).