Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1881
- Date
- 1881-01-01
- Page
- – (sequence 70)
- Language
- German
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67 babylonische Amora’s und zwar nach einander Abaji, Rab Huna und Raba, die ihren Inhalt ins Ungeheuerliche erweitern. Aber auch in dem Falle, wo eine Boraita gegen den Aberglauben ankämpft, z. B. Gespensterfurcht beseitigen will, behagt das manchem späteren Amora nicht, dem das zu aufgeklärt ist. So berichtet eine Boraita (Maccot 5-b.) von dem Synedrialoberhaupte Jehuda ben Tabbai, dass er, als er von seinem Collegen Simon ben Schetach überführt wurde, einen Justizmord begangen zu haben, darüber so bittere Reue empfand, dass er nicht nur sein Präsidium niederlegte, sondern auch allnächtlich in tiefer Zerknirschung, hingestreckt auf dem Grabe des Hingerichteten, laute Jammertöne ausstiess. Als aber das Volk, diese Töne hörend, in den Wahn gerieth, es sei der Hingerichtete selbst, der so laut jammere und seinen Richter anklage, da hielt esR. Jehuda ben Tabbai doch für nöthig, das Volk aufzuklären, indem er ihm sagte: Es war nicht die Stimme des Todten, sondern meine eigene. Zum Beweis: morgen bleibt er todt und seine Stimme wird nicht mehr gehört werden! So weit die Boraita. Damit giebt sich aber ein babylonischer Amora (R. Acha Sohn des Raba) nicht zufrieden und meint vielmehr (ohne zu bedenken, wie sehr er damit dem verewigten berühmten Synedrialpräsidenten zu nahe trete) «es könnte wohl doch der Todte gewesen sein, dass er aber dann geschwiegen, komme vielleicht daher, dass er seinen irdischen Richter vor das himmlische Gericht geladen, oder dass er, von der tiefen Reue des Mannes gerührt, sich endlich besänftigen liess.» Ueberhaupt ist es charakteristisch, wie empfänglich gerade die babylonischen Amora’s für dergleichen Ideen sind1). Es lässt sich das vielleicht dadurch erklären, dass der während des babylonischen Exils so mächtige Einfluss der Religion der Chaldäer und Perser auf gewisse Anschauungen der Juden nach der Rückkehr derselben nicht mehr so nachhaltig wirkte und nach und nach immer schwächer wurde, dahingegen nach der Zerstörung des zweiten Tempels beim Anwachsen der jüdischen Gemeinden im babylonisch - persischen Reiche in verstärktem Masse wieder ף Auch bei der oben besprochenen Suggot-Scheu wird berichtet, dass man sie in Palästina nicht beachtete במערבא לא קפדי אזוגי• Dagegen hätte es Rab Dimi aus Nehardea damit so genau genommen, dass selbst die Zeichen an dem Weinfasse eine ungerade Zahl haben mussten. (Pesachim a. a. O.). 5*