Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1881
- Date
- 1881-01-01
- Page
- – (sequence 69)
- Language
- German
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66 gilt auch von manchen anderen leiblichen Verrichtungen u. s. w.» Solche Aussprüche werden sofort aufgegriffen und von Anhängern des Mysticismus noch mehr erweitert. Man klammert sich an eine solche Lehre, obschon sie mit der Mischna im Widerspruche zu stehen scheint. Wir haben schon oben gehört, wie man diesen Widerspruch durch feine Distinctionen zu lösen versuchte. Trotzdem wurde das Suggot-Verbot nur wenig beachtet. Rab Dimi bemüht sich die auffällige Erscheinung, dass man bei einer solchen Lehre, die doch alt sein müsse, im Dunklen tappe, folgendermassen zu erklären. Es gebe eine uralte (sinaitische) Tradition, die bei gewissen Speisen das paarweise Gemessen verbiete, diese Tradition mache aber nur drei Speisen namhaft, eine vierte lasse sie anonym. Aus Besorgniss nun, man könnte auf diese unbekannte vierte treffen, hätten die Rabbinen bei allen Speisen das Suggot verboten, daher erkläre sich die Dunkelheit1). Führen wir ein anderes Beispiel an. Die Mischna hat sich von dämonologischen Lehren ziemlich frei, man möchte fast sagen, ganz frei gehalten. Da führt uns die Gemara eine Boraita an, die also lautet2): Abba Benjamin sagte: «Kein Geschöpf könnte vor den bösen Geistern bestehen, wenn das Auge sie sehen könnte3).» An diese Boraita klammern sich dann einige נ) Pesachim 110. b. — Mit Recht bemerkt Löwy in בקורת התלמוד S. 349f. dass R. Dimi keine wirkliche הלם meinen könne, da sonst das במערב א לא קפדי אזוגי und מאן דלא קפיד לא קפדי בהדל nicht zu begreifen wäre. Es müsse daher das Wort 0הל an dieser Stelle in uneigentlicher Bedeutung genommen werden (als עזם המושאל)> etwa in dem Sinne eines althergebrachten Gebrauches. Was der Verfasser aber noch hinzufügt, die Rabbinen hätten diesen Gebrauch von anderen Völkern um so lieber aufgenommen, als sie in ihm einen indirekten Protest gegen den Polytheismus erblickten (es sei nämlich damit symbolisch ausgedrückt, dass bei allen Dingen die Einheit nützlich, die Vielheit schädlich sei), ist mehr witzig als wahr. Abgesehen davon, dass es sehr seltsam wäre, gerade von polytheistischen Völkern einen Gebrauch überkommen zu haben, der für den Monotheismus zeugen und gegen den Polytheismus protestiren soll, so hätte ja die ganze Erklärung nur dann einen Sinn, wenn es sich blos um den Gegensatz zwischen I und 2 handelte, aber es ist mir imerfindlich, auf welche Weise die Zahlen 3, 5, 7 u. s. w. mehr für den Monotheismus sprechen sollten, als die Zahlen 2, 4, 6 u. s. w. (Namentlich da der Monotheismus ja nicht blos den Dualismus der Zend-Religion, sondern allen Polytheismus ab weist). 2) Berachot 6. a. 3) Fast identisch lauten die Aussprüche des Zend-Avesta über die Dämonen, die dort die Kinder der Finsterniss oder die Geschöpfe Ahrimans heissen (Kleuker, Spiegel u. a.).