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Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung · 1881-01-01 · 1881 · page 68

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Journal
Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
Volume
1881
Date
1881-01-01
Page
– (sequence 68)
Language
German
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…/2720904-2720951--067-2723552
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65 genommen werden. Dieses Urfheil hat in seiner Verbitterung־ darüber, dass, grosse Männer durch solche Agadot sich zum Anthropomorpliismus verleiten liessen, schon ראבר abgegeben, indem er sagt: *ובמה גדולים וכוי הלכו בזו המחשבה לפי מה שראו בפשוטי המקי־אות ויוחי ממה שראו בדברי האגדות המשבשות את הדעות (הלי תשובה ג', ז")־ Der Grund mag wohl darin liegen, dass diese agadischen Sammlungen nicht durch Revision und Redaction festgestellt, also durchaus nicht so gesichtet waren wie die halachischen Sammlungen oder gar wie die Mischna1). Doch wir wollen einige Beispiele anführen. Schon im vorigen Abschnitte hörten wir, dass von der Mischna die dämonologische Lehre von der Suggot-Scheu nicht ge« kannt oder nicht beachtet ward. Aber die Gemara (Pesachim 109.b.) führt eine Boraita an, die also lautet: לא יאבל אדם תרי ולא ישתה תרי וכוי• «Man esse nicht paarweise, trinke nicht paarweise, dasselbe l) Vgl. den Ausspruch der jerusalemischen Gemara (Sabbat Abschn. בל כתבי) über Agadot: ,אמר רבי יהושע בן לוי הדא אגדתא הכותבה אין לו חלק, הדורשה מתחרך השומעה אינו מקבל שכר• Vgl. ferner den Ausspruch des רמבם über eschatologische Agadot: ולעולם 6* יתעסק אדם בדברי ההגדות ולא יאריך במדרשות האמורים בענינים אלו וביוצא בה; ולא ישימם עיקר שאין מביאלן לא לידי יראה ולא לירי אהבה(הלי מלכים י״ב ב')• Bemerkenswerth ist, dass in Bezug auf Eschatologie auch der Sohar auf Aufklärung dringt. In מדרש הנעלם Abschn. תולדות zu Anfang wird die Frage aufgeworfen: Was ist unter der «Mahlzeit» zu verstehen, von der die Rabbinen sprechen und die für das zukünftige Leben bestimmt sein soll? Antwort: Es ist darunter ein geistiger Genuss durch höhere Gotteserkenntniss zu verstehen, nach Analogie der Schriftstelle 2) ויחזו את האלהים ויאכלו וישתו. Mos. 24. TI). So kann z. B. unter dem «Wein, der seit der Schöpfung in seinen Trauben aufbewahrt wird» (יין המשומר בענבי! מששת ימי בראשית) nichts Anderes verstanden werden, als «geheimnissvolle Lehren, die seit der Schöpfung noch keinem Menschen offenbart, aber den Seligen im Jenseits einst mitgetheilt werden sollen». Aehnlich verhält es sich mit Liviathan und dgl. — Frage: Warum haben aber alsdann die Rabbinen diese Verheissung derart eingekleidet, dass man an leibliche Genüsse denken muss? Antwort: Weil das gemeine Volk sich nicht anders befriedigt fühlt, als wenn es leibliche Genüsse erhofft und dadurch standhafter die Leiden des Exils erduldet. Hat ja die Tora selbst, um das Volk zur Beobachtung der religiösen Gebote zu bewegen, den Schwerpunkt ihrer Yerheissungen auf die Fülle des leiblichen Genusses und der Sättigung gelegt (י( ואכלתם לחמכם לשבע wohingegen die Auserwählten und die wahrhaft Frommen mit dem Hohenliede (1, 4) sprechen: Sind wir auch in die königlichen Gemächer geführt worden, so ist unsere Freude doch nur in Dir! In Dir und nicht in etwa zu erwartenden Schmausereien ('ימולה ונשמחה בך ולא באכילה ועזתי• Solche Stellen gehören zwar nicht eigentlich hierher, sondern in Hie Abschnitte F. und G., wo von der Kabbala die Rede sein wird; allein ich führe diesen Ausspruch hier an, um -schon jetzt zu zeigen, dass gewisse Agadot selbst den Kabbalisten, in sofern dieselben zu den Einsichtigeren zählten, zu stark w’aren, so dass sie sich genöthigt sahen, sie abzuweisen oder umzudeuten. 5

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