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Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung · 1881-01-01 · 1881 · page 60

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Journal
Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
Volume
1881
Date
1881-01-01
Page
– (sequence 60)
Language
German
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IRI
…/2720904-2720951--059-2723544
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57 Wunder zu thun. Man sieht also, dass ein ganz anderer und viel aufgeklärterer Geist in der Mischna geherrscht und dass sich damals noch das Bestreben geltend gemacht hat, das mystisch Scheinende in der h. Schrift auf schlichtere religiöse Anschauungen zurückzuführen, auf Gebet, Glaubensmuth und Gottvertrauen. Ein Jahrhundert später hätte man eine Frage wie diese (וכי ידיו של משה עושות מלחמה או שוברות מלחמה וכל) nicht mehr so natürlich gefunden, noch weniger eine so nüchterne Erklärung gegeben1). Ich bemerke noch, dass in Pesachim Cap. 4, Mischna 9. die Handlung Hiskias, II. Könige 18, 4, der die von Moses angefertigte kupferne Schlange zerschlug, weil ihr viele Israeliten göttliche Verehrung zollten, lobend erwähnt wird2). Sehen wir uns nun in der Mischna ein wenig um, ob nicht so Manches vorkommt, was gegen diese allgemeine, schlichte und rationelle Anschauungsweise verstösst: Betrachten wir zunächst gewisse in der Mischna vorkommende, sogenannte Legenden und Wundergeschichten. Wenn es Berachot, Cap. 5, Mischna 5 heisst: ר חנינא בן דוסא שהל מתפלל על החולים ואומר זה חי וזה מת וכל, so gehört das mehr in das Gebiet des innigen Gebetes und des Gottvertrauens3). Zu bemerken ist dabei, mit welcher Reserve die Mischna sich ausdrückt. אמרו עליו על ר, חנינא בן רוסא (wodurch der ganze Bericht den Charakter einer Volkssage erhält), während die in der Gemara z. Stelle an- *) Selbst zugegeben, was Freudenthal (Hellenistische Studien Heft 1, S. 75) nicht ohne guten Grund annimmt, dass diese Erklärung jüdisch-hellenistischen Ur- Sprunges sei, so ist doch schon die Thatsache, dass sie nicht abgewiesen worden, während das rabbinische Judenthum gegen viele andere hellenistische Erklärungen sich abwehrend oder wenigstens völlig ignorirend verhält, ein Beweis für die Billigung dieser Anschauung. Dazu kommt noch, dass diese Mischna an die vorhergehende nur lose anknüpfen konnte, die ganze Erklärung also, so zu sagen, bei den Haaren herbeigezogen worden, ein Beweis, dass man aufklären wollte. 2) Maimonides z. St. meint, es sei das keine Mischna, sondern eine Tosefta, doch wolle er sie in seinem Mischna - Commentar erklären, da sie wichtige Lehren enthalte. Warum Bartenora z. St. auf Chronik verweist, ist mir unerfindlich, da diese That Hiskias und deren Motivirung im B. d. Könige, nicht in der Chronik' vorkommt. 3) Mit Recht wird in der in Berlin (832 ז־תקצ״ב) erschienenenMischna-Ausgabe in einer Note z. St. bemerkt: «Der Grundgedanke dieser Mischna ist die Anempfehlung der grössten Aufmerksamkeit (und Innigkeit) beim Gebete». Ich füge hinzu, dass dies in der jerusal. Gemara z. St. ausdrücklich betont wird: אמר ר שמואל בר נחמני אם כוונת לבך בתפלתך תהא מבושר שנשמעה תפלתך׳ ומה טעם תכין לבם תקשיב אזנך•

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