Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1881
- Date
- 1881-01-01
- Page
- – (sequence 57)
- Language
- German
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54 eine Verheissung, die durch den Propheten Hosea wiederholt wird (Hosea 2, i1). Gott konnte aber bis jetzt sein Versprechen noch nicht erfüllen, und zwar durch die Schuld Israels, welches sich dieser ausserordentlichen göttlichen Gnade nicht würdig gemacht hat (כאן באינם עושים רצונו של מקום)• So oft daher eine Zählung des gesammten Israel vorgenommen und somit durch den Augenschein bekundet werde, dass Israel nicht unzählbar sei, involvire diese Zählung gewissermassen einen versteckten Vor wurf gegen Gott, der seine Verheissung noch immer unerfüllt gelassen habe und dessen Allmacht gleichsam dadurch als beschränkt erscheine und zugleich eine Mahnung an die Schuld Israels. Das sei die Sünde und das die Gefahr. Selbstverständlich falle alles Das bei einer partiellen Zählung weg.» Indess — meint dieser Verfasser weiter — könne man fragen: Gerade diejenige Zählung, auf die eine Pest gefolgt war, sei ja keine vollständige gewesen? Berichtet ja die Schrift (I. Chron. 2 1, 6): «Levi aber und Benjamin hatte er nicht unter ihnen gemustert, denn ein Abscheu war der Ausspruch des Königs dem Joab.» Darauf sei aber einfach zu erwidern, schon die Absicht, das gesammte Israel zu zählen, sei eine Sünde, die dadurch nicht geringer erscheine, dass sie später nicht zur Ausführung kam. Viel einleuchtender — schliesst der Verfasser — sei aber das Wort des Midrasch כל זמן שנמנו ישראל לצורך לא חסרו שלא לצורך כגון בימי דוד חסרו (במדי.רבה פ' בי) «So oft Israel gezählt ward, wo ein Bedürfniss vorlag, hatte es keinen Schaden •genommen, sobald es aber, wie beispielsweise bei David, unnöthig gezählt ward, da ist Unheil eingetreten2).» So weit dieser Verfasser. Man sieht, zu welchen gesuchten Deutungen (zum Theil Ungereimtheiten) diejenigen ihre Zuflucht nehmen mussten, die von der mysteriösen Auffassung des עין הרע sich nicht zu trennen vermochten3). l) והיי מספר בגי ישראל כחול הים אשר לא ימד ולא יספר• f) Sehr richtig! Dann braucht man aber auch nicht auf עין הרע und dergl. zu recurriren, sondern die Sünde bestand in der ungerechtfertigten und übermüthigen Zählung. 8) Die Anschauung über עין הרע mag vielleicht im hohen Alterthume sehr verbreitet gewesen sein; jedenfalls hat sie sich an die beiden Stellen (2. Mos. 30, 11) ולא יהי בהם נגף undn. Samuel 24, 1. (die Volkszählung Davids) anzuklammern versucht. Fallen aber diese Stützen, dann ist ihr Zusammenhang mit der h. Schrift