Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1881
- Date
- 1881-01-01
- Page
- – (sequence 56)
- Language
- German
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53 Schekalim - Gebot nur einem damaligen momentanen Bedürfnisse entsprochen habe, aber nicht für ewige Zeiten gelte, und dass die Worte «damit sie keine Seuche treffe» nur den Sinn haben, dass bei Epidemien, wie sie von Zeit zu Zeit in der Welt aufzutreten pflegen, sie verschont bleiben würden, weil diese Opfergaben als ein Verdienst der Israeliten alsdann vor Gott in Erinnerung kommen sollten. Noch ein anderer Irrthum sei aber möglich gewesen, David mochte vielleicht den Sinn des Gebotes so verstanden haben, dass man wohl die Köpfe zählen dürfe, wenn man nur dann für jedes Haupt ein Sühngeld giebt, und das that er auch — die Schrift erwähnt zwar Nichts davon, setzt das aber stillschweigend voraus — doch nützte ihm das Nichts, denn nicht die Köpfe, sondern die Münzen durften gezählt werden, die Münzen hätten also schon vor der Zählung hergegeben sein müssen (S. Raschi z. St. אל תמנם לגלגלת אלא יתנו כל אחר מחצית השקל ותמנה אח ־(השקלים ותדע מנינם Eins jedoch bliebe bei allem Dem noch schwierig.’ Hatte ja David schon früher das Volk gemustert, einen Theil desselben dann dem Jo ab, einen zweiten dem Abisai und einen dritten dem Ittai übergeben, und doch traf sie damals keine Seuche, vielmehr erfochten sie einen glänzenden Sieg1)? — Man müsse daher annehmen, dass nur das Zählen des gesammten Israel die Herrschaft des bösen Auges (עין הרע) herbeiführt, nicht aber die Zählung eines Theiles desselben, und in der letzterwähnten Stelle habe ja David nur diejenigen Israeliten, die zu ihm gehalten, nicht ganz Israel zählen lassen können.» So weit Misrachi. Diese Unterscheidung zwischen universeller und partieller Zählurig sucht der Verfasser eines neu erschienenen, hebräisch geschriebenen Werkes נפלאות מחורת השית (Warschau 1879) folgendermassen zu motiviren: «Gott habe schon Abraham versprochen, dass einst seine Nachkommen so wenig wie der Staub der Erde oder die Sterne am Himmel würden gezählt werden können (1. Mos. 13, 16 und 15, 5); ferner dem Jacob, dass seine Nachkommen dem Sande am Meere gleichen würden, der vor Menge nicht gezählt werden könne (ibid. 32,13), *) Merkwürdig genug, dass ein Mann wie Misr^chi hierbei nicht auf den richtigen Gedanken kommt, dass die Musterung zum Zwecke eines solchen Vertheidigungskrieges des königlichen Vaters gegen seinen rebellischen Sohn keine Sünde und Gott nicht missfällig sein kann, und dass er nicht eben daraus erkennt, wie nicht das Zählen an sich (selbst beim Wegfall des Sühngeldes), sondern das ungerechtfertigte und übermüthige Zählen sündhaft war.