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Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung · 1881-01-01 · 1881 · page 53

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Journal
Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
Volume
1881
Date
1881-01-01
Page
– (sequence 53)
Language
German
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IRI
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50 Dass der Hochmuth gerade bei sonst von Gott hochbegnadeten Herrschern in den Augen des Herrn besonders missfällig, ja als Undank gegen Gott angesehen war, theilt uns die beim Zählen seines Volkes. Er war nicht zufrieden mit einer regelmässigen Armee von 288,000 Mann, die aus der waffenfähigen Mannschaft seines Reiches ausgehoben und so eingetheilt war, dass jeden Monat 24,000 in wirklichen Diensten sein mussten (1. Chron. 27, 1). Diese Einrichtung war zur Vertheidigung des Landes, gegen feindliche Nachbarn hinreichend und entzog nicht zu viele Hände dem Ackerbau. Denn da die Truppen sich monatlich ablösten, so konnte der Sohn des Landmannes elf Monate zu Hause sein und im zwölften sich in den Waffen üben. Jetzt sollte das anders werden. David wollte nicht die Zahl seiner Unterthanen überhaupt, sondern nur die Zahl der waffenfähigen Mannschaft wissen (S. 2. Sam. 24, 9 und 1. Chron. 21, 5 und 27, 23). Darum bekam auch kein Priester und Levit, die sonst das Volk zählten, sondern der commandirende General den Auftrag. Es scheint also Davids Entschluss gewesen zu sein, die ganze Nation auf kriegerischen Fuss zu setzen und eine Nationalarmee einzurichten, bei welcher jeder Bürger als Soldat aufgeschrieben und auch in Friedenszeiten zu bestimmten Tagen oder Wochen zu Militärdiensten gezwungen werden sollte. Denn in dringenden Fällen und in Kriegszeiten war ohnehin jeder Bürger Soldat, und gebrauchte die Waffen gegen den Feind, so gut er konnte. Die Bibel meldet nicht, was eigentlich David auf diesen unglücklichen Gedanken gebracht habe. Vielleicht war es Königsstolz, vielleicht auch Eroberungssucht. Denn wenn alle Israeliten Soldaten von Beruf waren, so konnte er, bei der unbedingten Unterwürfigkeit des Soldatenstandes, mit ihnen anfangen, was er wollte, und es bedurfte nur eines Winkes, und anderthalb Millionen geübter Krieger standen unter den Waffen, mit denen er beliebig jedes Nachbarland erobern konnte. Jo ab macht ihm daher auch Vorhaltungen. Er sagt (2. S. 24, 3 und 4): «Ich wünsche von Herzen, dass sich dein Volk ins Unendliche vermehre, und du diese Vermehrung noch erlebest. Aber dein Befehl, jeden erwachsenen Mann als Soldaten anzuwerben, ist ungerecht, indem er den Wohlstand und die Freiheit deines Volkes zerstört.» Nach 1. Chronik 21,3 setzt Jo ab noch hinzu, dass im Nothfalle ja ohnehin alle Israeliten zum Dienste des Königs bereit seien, und dass er das Volk Gottes nicht zwingen sollte, durch Sklavensinn die Würde eines freien Volkes zu schänden und die Strafgerichte Gottes, seines höchsten Regenten, sich zuzuziehen. David selbst wurde durch die grosse Zahl seiner streitbaren Unterthanen überrascht, er fand seine Streitmacht über die Erwartung gross, und sein gutes Herz sagte ihm, ,wie unväterlich, wie ungerecht er handeln würde, wenn er eine solche Volksmenge in Soldaten umwandeln und zum blinden Werkzeuge seiner Eroberungssucht gebrauchen wollte. Er sah ein, wie sehr sein Vorhaben mit dem Geiste der mosaischen Verfassung und mit den Pflichten eines guten Regenten stritte. Israel sollte ein friedliches VÖlklein sein, durch sein Gesetz an Gott hangend und von Heiden getrennt; bestimmt, unter seinem Weinstock und Feigenbäume die Früchte desv Landes, das ihm der H.err angewiesen hatte, in Ruhe und Sicherheit zu geniessen, nicht aber ein kriegerisches Volk, das auf Eroberung ausgehe».

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