Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1881
- Date
- 1881-01-01
- Page
- – (sequence 50)
- Language
- German
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47 gemäss, Alles auf den Urheber aller Dinge und gerechten Weltregierer zurückzuführen, grosse Epidemien oder sonstige bedeutende Katastrophen stets mit vorangegangenen Sünden und Vergehungen in Zusammenhang bringt1). Das Befremdliche liegt blos darin, dass die Sünde in dem Fehlen des Sühngeldes gelegen haben sollte. Welche Bedeutung das bei Volksmusterungen im Pentateuche angeordnete Sühngeld hat, haben wir oben in Abschn. A. ausführlich erörtert, wir behaupteten dabei, dass es mit der Volkszählung Davids eine andere Bewandtniss habe. Diese Behauptung wollen wir jetzt beweisen. Sollte wirklich nach der Meinung des biblischen Berichterstatters das Fehlen des Sühngeldes die Veranlassung der Katastrophe gewesen sein, warum verschweigt er dann gerade diesen wichtigen Umstand? Warum wird nur das Zählen selbst, nicht aber das Unterlassen des Sühngeldes, betont? Hiesse das nicht, um mit den Alten zu sprechen, עיקר הסר מן הספר• Wie Hesse es sich ferner erklären, dass die Schrift auch früher schon von Volkszählungen berichtet, ohne eines Sühngeldes zu erwähnen, die aber nichtsdestoweniger niemals irgend eine Kata- Strophe, vielmehr Sieg und Freude in ihrem Gefolge hatten? So z. B. musterte Saul die Israeliten in Besek (1. Sam. 11, 8), später inTelaim (ib. 15, 42), ohne dass von Sühnmünzen die Rede ist, und die Folge dieser Musterungen war im ersten Falle der glänzende Sieg über die Ammoniten, im zweiten der über die Amalekiten. Freilich fühlten das die Alten und suchten diese Schwierigkeit durch eine eigenthümliche Deutung zu beseitigen. Unter dem Worte בזק verstehen sie Scherben oder Steinchen, die bei der damaligen Armuth der Israeliten die Stelle der halben Schekel ersetzen mussten; das Wort בטלאים deuten sie so, dass jeder Gemusterte ein Lamm als Sühngeld hingab (da sie inzwischen reich geworden waren)3). Indess das beweist nur, dass die Rabbinen *) אין מיתה בלא חטא ואין יסורים בלא עון (Sabbat 55. a). Es ist das ein Ausspruch, der im Talmud selbst einer Controverse unterworfen worden und der allerdings einer religionsphilosophischen Erklärung benöthigt, aber auch fähig ist, jedenfalls in ein ganz anderes Gebiet gehört, als dasjenige ist, über welches unsere Abhandlung sich verbreitet. 2) Teläim ist vermuthlich identisch mit Telem (Josua 15, 24 זיף וטל□ ובעלות)• Vgl. Graetz, Gesch. Bd. I, S. 184. «Er (Saul) bot den Heerbann auf, der sich zahlreich in einer südjudäischen Stadt Telaim oder Telem versammelte.» 3) Nach einigen Erklärern sollen das die Passahlämmer gewesen sein, die gezählt wurden, allein das stimmt nicht mit der Angabe des Talmuds (Joma 22. b.), nach