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Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung · 1881-01-01 · 1881 · page 48

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Journal
Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
Volume
1881
Date
1881-01-01
Page
– (sequence 48)
Language
German
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45 Fragen wir uns nach allem Gesagten, welches Urtheil der Berichterstatter in der h. Schrift selbst über diese Begebenheit hat, so können wir nur wiederholen, was schon vor uns gesagt worden ist1 2), dass gerade die Verschiedenheit der Deutungen uns beweisen muss, dass die h. Schrift ihre Ansicht nicht deutlich ausgesprochen und dies auch nicht nöthig hatte, da die Verwerflichkeit dieser Handlung stillschweigend vorausgesetzt wird, indem sie gegen die Tendenz der Bibel überhaupt verstösst, welche der Zeichendeut er ei, Wahrsager ei und Gaukelei aller Art auf das entschiedenste entgegentritt und in der Chronik (io, 13) ausdrücklieh hervorhebt, dass dieser letzte Fehltritt Sauls das Mass seiner Sünden vollgemacht und ihn dem Tode geweiht hat. Altjüdische Schriftsteller kurz nach oder vielleicht noch vor dem Schlüsse des biblischen Canons scheinen in Bezug auf die in Rede stehende Begebenheit jener weiter oben angeführten vermittelnden Auffassung gewesen zu sein. Ich schliesse das daraus, weil Sirach Cap. 46 V. 20 sagt: ומן בתר מ ותא אשתאל וחדי למלכא אורחיה וארים מן ארעא קליד. בנביותא למבטלו חטוזא• «Und nach dem Tode liess er sich noch erbitten, verkündete dem Könige seinen Weg und erhob aus der Erde seine Stimme in Weissagung, um Sünde zu tilgen.» Nicht auf die Beschwörung der Zauberin wird hier Nachdruck gelegt, sondern darauf, dass er sich «erbitten liess» 2אשתאל) und seinem ehemaligen Freunde erschien. In der griechischen und den nach dieser angefertigten anderen Uebersetzungen des Sirach fehlt das Wort ganz, es scheint also in dem verloren gegangenen hebräischen Originaltexte nicht gestanden zu haben, sondern einfach nur die Weissagung Samuels. Vgl. die Uebersetzung Cassels: «Auch als er schon entschlafen war, weissagte er und zeigte dem Könige seinen Untergang an, und liess aus der Erde herauf seine Stimme erschallen, indem er weissagte, dass die Schuld des Volkes getilgt werden solle.» Anders scheint es indess bei Josephus zu sein. Wie schon oben bemerkt, ist er in dieser Hinsicht ganz dem Mysticismus er- 1) Professor Dr. Johann Friedrich Cotta: Erläuterungen zu Josephus S. 184: v. Brentano, resp. Dr. Dereser a. a. O.; besonders aber Philippson a. a. O. 2) Das Wort אשתאל bedeutet entweder «er liess sich erbitten» (s. Jasaias 65, 1, נדרשתי וכל אמרתי הנני וכל und das Targum darauf ״(אשתאילית וכל אנא משתאיל oder «er wurde um Rath, um ein Orakel gefragt» (Jesaias 3, 3 י^ומשתאל וסב nicht aber «einer, der durch Beschwörung gezwungen wird» (אסיק בבידין)•

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