Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1881
- Date
- 1881-01-01
- Page
- – (sequence 47)
- Language
- German
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 89% known words query
- IRI
…/2720904-2720951--046-2723531- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
44 erscheinungen in aufrechter Stellung vorgeführt haben 1), geht aus einer Stelle in Sanhedrin (65.b.) hervor, wo zweierlei Arten von Nekromanten (freilich mysteriöser Färbung) erwähnt werden: ת״ר בעל אוב אחד המעלה בזכורו ואחד הנשאל בגלגלת/ מה בין זה לזר. מעלה בזכורו אינו עולה כדרכו נשאל בגלגלת עולה כדרכו/ wobei Raschi zu den Worten אינו עולה כדרכו commentirt: 2אלא רגליו למעלה). Ich vermuthe, dass der נשאל בגלגלת ein grösserer Künstler war, dessen Kundschaft aus vornehmen hochgestellten Personen bestand, für die es sicK schon der Mühe lohnte, ein combinirteres, umständlicheres und wahrscheinlich auch kostspieligeres Verfahren einzuschlagen3). Nur noch eine kurze Bemerkung soll hier folgen. R. David Kimchi (a. a. O.) sagt: הנשאל בגלגלת גם הוא יקרא אוב ופירושו שיש עמו גלגלת של אבן שהם או של זכוכית. זכה ועושה מעשים עד שירמה שיוצא קול נמוך מאד וידמה לו באותו הקול שואל ומשיב כן פירשו רז״ל• Wenn — wie aus den Worten כן פירשו רז״ל hervorzugehen scheint — רד״ק die Erklärung in einem Midrasch gefunden haben sollte, so wäre das hochinteressant. Demnach wäre also unter גלגלת hier nicht, wie man anzunehmen pflegt, ein wirklicher Menschenschädel, sondern eine künstliche, aus leuchtendem Gestein oder feinem Glase, in Form eines Schädels angefertigte Kugel zu verstehen (— ob damit nicht gar ein künstlich präparirter Spiegel zu verstehen sei? —), wobei der Künstler (vermuthlich als Bauchredner) es so einzurichten verstand, dass־ es schien, als ob die Stimme von diesem Schädel (der wohl auch eine Gestalt erkennen liess) ausginge, und zwar als leises, dumpfes Frage- und Antwortspiel. Da hätten wir denn also das ganze Verfahren. Das sind die Bemerkungen, die ich in Ansehung der verschiedenen Interpretationen dieser Bibelstelle zu machen hatte. 1j Es geschieht dies auch heute in grossen Opern und sonstigen Schaustücken, wo vermittelst künstlicher Verbindung mehrerer Spiegel die Geistererscheinungen in gerader aufrechter Stellung vorgeführt werden. 2) Was die Gemara dort noch fragend einwirft: עולה להיכא״סליק/ ist mit Raschi’s Auffassung nicht gut zu vereinbaren. Was in der Boraila selbst noch hinzugefügt wird: 'אינו עולה בשבת וכל ועולה בשבת וכו, beruht (wenn es nicht blosse Ausschmückung sein soll) wahrscheinlich ebenfalls auf einer uns weniger bekannten Volkssage. _ 8) Um nicht gewinnsüchtig zu erscheinen und überhaupt jedes Odium von sich fern zu halten, ging vielleicht von diesen Nekromanten selbst die Insinuation aus, dass die Geister nur sehr vornehmen Personen gegenüber sich herbeilassen, in aufrechter Stellung zu erscheinen. Damit würde auch die oben besprochene, von den Rabbinen tradirte Volkssage übereinstimmen.