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Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung · 1881-01-01 · 1881 · page 46

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Journal
Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
Volume
1881
Date
1881-01-01
Page
– (sequence 46)
Language
German
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IRI
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48 Bild erzeugen. Heutzutage, wo die camera obscura zu der herrliehen Erfindung der Photographie geführt hat, ist man im Allgemeinen mit den Gesetzen der Optik und Katoptrik mehr bekannt, man weiss auch, dass das Lichtbild in umgekehrter Gestalt erzeugt wird und dass der Photograph die Metallplatte erst umdrehen muss, damit das Bild wieder in aufrechter Stellung erscheine. Nicht so bekannt war man mit diesen Naturgesetzen im Alterthume. Man war erstaunt, dass die von den Nekromanten vorgeführten Gestalten (Geistererscheinungen) immer in verkehrter Stellung sich präsentiren, und der Volksglaube wusste sich bald zu helfen; er nahm an, dass die gewöhnlichen Sterblichen nicht würdig seien, die abgeschiedenen Geister in regelmässiger, aufrechter Stellung wahrzunehmen, es müsste denn die befragende Person ausnahmsweise eine sehr hochgestellte (ein König oder Fürst) sein. Und somit war die thatsächliche Grundlage zu der Tradition unserer Weisen gegeben: לא כשם שהוא עולה להדיוט עולה למלך להדיוט עולה פניו למטה ולמלך פניו למעלה «Nicht wie der Geist einem Idioten (gewöhnlichen Menschen) erscheint, erscheint er einem Könige, einem Idioten erscheint er mit dem Antlitze nach unten, einem Könige mit dem Antlitze nach oben* 1).» Dass es thatsächlich schon zur talmudischen Zeit auch solche geschickte Nekromanten gegeben, die ihrem Publikum auch Geisterkeit zu, ja haben sie zum Theil nachgewiesen, indem sie das Verfahren in verkleinertem Massstabe durch Verbindung mehrerer Planspiegel nachgeahmt. Keineswegs aber wird die Thatsache bestritten, dass solche und ähnliche Spiegel im Alterthume schon bekannt waren. Der Mathematiker und Physiker unserer Anstalt, Herr College Dr. Zuckermann, den ich bei diesem Punkte zu Rathe zog, machte mich gütigst auf diese Unterscheidung aufmerksam. (Vgl. auch Lehrbuch der Physik und Meteorologie von Dr. Johannes Müller, Braunschweig 1858, erster Band, Seite 433 bis 439 und Meyer, Conv.-Lexikon s. v. Archimedes). l) Man wende mir nicht ein: es soll ja hier eine Bibelstelle erklärt werden, und wenn auch nachgewiesen ist, dass Plan- und Hohlspiegel lange vor der Zeit der Talmudisten vorhanden waren und zu verschiedenen Zwecken angewendet wurden, so gilt ja nicht dasselbe von der Zeit der Bibel. Aber — darum handelt es sich auch gar nicht: Nicht die Bibelstelle soll damit von uns erklärt werden, das ist bereits oben, einfach und rationell, unabhängig vom Midrasch, geschehen. Es soll blos dargethan werden, wie der Midrasch zu seiner eigenthümlichen Idee gekommen ist, dass diese Idee keine willkürliche Erfindung, sondern eine Anlehnung an bekannt gewesene Thatsachen war, nur modificirt durch die damals herrschende Auffassung und den allgemein verbreiteten Volksglauben. Und hierfür genügt der Nachweis, dass zur Zeit des Midrasch solche Erscheinungen schon vorgekommen sind.

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