Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1881
- Date
- 1881-01-01
- Page
- – (sequence 44)
- Language
- German
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41 So sehr aber auch die Nekromantie sich bemühte, das Geheimniss der Bauchrednerkunst zu bewahren, sie konnte doch nicht immer esoterisch bleiben, es waren der Mitwisser zu viele und häuften sich immer mehr. Hatte nun aber der unbedingte Glaube an die Nekromantie dadurch einen Stoss erlitten, g־anz erschüttert ward er nicht. Ein Theil des Nimbus war geschwunden, aber man klammerte sich noch immer mit aller* * Macht an den Aberglauben. Man wusste jetzt wohl, dass es der Nekromant selber war, der da redete, aber man glaubte, er sei gewissermassen nur das Gefäss (das Medium), aber es sei der abgeschiedene Geist, der aus ihm rede. Auch die Mischna Sanhedrin (65. a.) weiss schon, dass es der Nekromant selber sei, der da spricht. אוב זה פיתום(1 המדבר משחיו, ידעוני זה המדבר בפיו• Da der Bauchredner, wie wir oben gesehen, es ganz in seiner Gewalt hatte, seine Stimme nah oder fern, von dieser oder jener Stelle ausgehend, hören zu lassen, so konnte er sie natürlich ebensogut aus dem Handgelenke wie aus dem Munde vernehmen lassen. Dass er bisweilen einen Menschenschädel, von dem das Fleisch verwest war, nahm, aus dem die Stimme gehört wurde2), geschah, um das Schauerliche zu vermehren. Wenn eine Boraita über ידעוני noch die Bemerkung hinzu•• fügt, dass er sich den Knochen eines gewissen Thieres in den Mund steckt, der dann von selbst redet, jso beruht das eben auf der Voraussetzung, dass der Nekromant nur das Medium sei, durch den der citirte Geist sich mittheilt. c) Zu den Worten der Schrift (Vers 12): «Als die Frau den Samuel sah, schrie sie laut auf und sprach zu Saul: Warum hast du mich betrogen, du bist ja Saul!» bemerken die Rabbinen (a. a. O.): «Woher konnte das Weib an der Erscheinung Samuels erkennen, dass Saul der Fragende sei? Antwort: Sonst pflegten die Gestalten in umgekehrter Richtung, mit dem Kopfe nach scheint ihm so schwierig, dass er behaupten zu müssen glaubt, es sei Alles Nichts als Einbildung gewesen. Nach unserer obigen Erklärung ist auch diese Schwierigkeit beseitigt. *) Ueber das Wort פיתום siehe Landau’s Aruch s. v. אב Anm. 1: פיתום שם נחש ׳היכלו בעיר דעלפי׳ עיר של האראקעל׳ ושם נמצאות נשים (Python) ולכן לא תמצא בעל אוב כי אם בעלת אוב ׳ולפי שהכשיפו Pythia לנהגו ׳והכהנת נקראת עי נחש נקרא הפעל בלשון עברי נחש• Ob diese Etymologie eine richtige, ist fraglich. In jedem Falle kann das Wort in unserer Mischna nur ein abgeleitetes sein, da ja hier von נחש gar nicht die Rede ist. 2) Siehe weiter unten.