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Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung · 1881-01-01 · 1881 · page 43

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Journal
Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
Volume
1881
Date
1881-01-01
Page
– (sequence 43)
Language
German
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IRI
…/2720904-2720951--042-2723527
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40 Anschauungen ihrer Zeit befangen sind, doch die von ihnen tradirten Thatsachen selbst auf strenger Wahrheit beruhen. Denken wir nun in unserem Falle daran, dass die Bauchrednerei schon in sehr alter Zeit eine allerdings esoterische, allen Uneingeweihten streng verheimlichte, von den Eingeweihten aber sehr geschickt angewandte Kunst war, deren die Nekromantie besonders sich bediente, dass dagegen die Kunst, auch sichtbare Gestalten als Geistererscheinungen hervorzurufen, erst das Resultat späterer Erfindungen ist. Was ist da natürlicher, als dass die Todtenbeschwörer den bei ihnen Hülfe Suchenden einzureden sich bemühten, die Geistererscheinung (die in Wahrheit gar nicht existirte) könne nur von ihnen (den Beschwörern) allein gesehen werden, dagegen würden die Worte des Citirten dem Fragenden, und zwar dem Fragenden allein Vorbehalten sein. Dass der Beschwörer selbst kein Wort höre, braucht er ja nur zu versichern, und man nahm es auf Treu und Glauben an1); damit aber die Unbetheiligten wirklich Nichts hörten, war die Einrichtung getroffen, dass alle fremden Personen in einer gewissen Entfernung bleiben mussten, und da die Stimme nur eine dumpfe, schwach- und leisetönende war, so konnten sie selbstverständlich Nichts hören2), sehen ״ konnten sie ja ohnehin Nichts, da in Wirklichkeit gar keine Gestalt erschienen war. Somit enthält also die Tradition der Rabbinen einen ganz genauen Bericht: «Drei Dinge werden von der Nekromantie ausgesagt: Der Beschwörende sieht, aber hört nicht, der Fragende hört, aber sieht nicht, die Uebrigen hören weder, noch sehen sie3).» 1j Der Glaube, dass der Beschwörer Nichts höre, war zur Beruhigung des Fragenden nöthig, damit dieser nicht zu fürchten brauchte, es würden durch die Antwort des Geistes unliebsame Geheimnisse Anderen verrathen werden. 2) Auch das war nöthig, nicht blos zur Beruhigung des Fragenden, sondern auch im Interesse des Beschwörers, damit nämlich unbetheiligte und unbeschäftigte Personen nicht Müsse fänden, ihm — sit venia verbo — allzusehr in die Karten zu sehen. 8) Ich glaube vor Jahren in einem alten hebräischen Werke, dessen Name mir augenblicklich entfallen, gelesen zu haben, dass der letzte Satz in dem qu. Aus- Spruche unserer Weisen wohl nur Ausschmückung sein dürfte; denn wenn es auch im Interesse des Nekromanten gelegen haben mag, zu sagen, dass er Nichts gehört, so ist doch nicht abzusehen, warum und wie das bei den unbetheiligten Zuschauern der Fall sein sollte. Nach der im Texte von mir gegebenen Auseinandersetzung hat das aber keine Schwierigkeit. Damit erledigt sich auch die Frage des Gersonides am Schlüsse seines Milchamot. «Wenn wirklich», fragt er, «eine Stimme gehört worden wäre, warum sollten sie nicht alle Anwesenden vernommen haben?» Diese Frage

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