Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1881
- Date
- 1881-01-01
- Page
- – (sequence 41)
- Language
- German
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2720904-2720951--040-2723525- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
38 dass geschickte Bauchredner auf ganz natürlichem Wege es dahin bringen, Stimmen von Menschen und Thieren ganz naturgetreu nachzuahmen, es so einzurichten, dass die Stimme bald nah, bald fern, bald aus dem Keller, bald aus einem Schranke, bald von der Strasse herauf gehört wird, ja dass ein einzelner Bauchredner im Stande ist, ganz allein Gespräche mit zwei, drei und vier Stimmen zu führen. Man hat also durchaus nicht nöthig, mit Maimonides und Gersonides anzunehmen, dass bei der Nekromantie «Alles nur auf Einbildung beruhe und äusserlich Nichts wahrgenommen werde», vielmehr richtet es der Bauchredner in der Regel so ein, dass der Fragende die ihm noch wohl erinnerliche Stimme seines verstorbenen Freundes ganz. naturgetreu, aber etwas dumpf und schaurig, wie aus dem Grabe hervortönend, zu hören vermeint, und da er den Akt auch sonst, um die Schauerscenen noch zu erhöhen, mit vielem Firlefanz umgiebt und gewöhnlich bei Nacht und Halbdunkel vor sich gehen lässt, so können oder konnten wenigstens in jener alten Zeit, in welcher die Geheimnisse der Bauchrednerkunst noch nicht so allgemein bekannt waren, auch die Klügsten getäuscht werden. Saul braucht also durchaus nicht, wie Abarbanel meint, als unzurechnungsfähig angesehen zu werden, wenn er, von solchen Schauerscenen umgeben, die ihm wohlbekannte Stimme des abgeschiedenen Gottesmannes Samuel, dumpf und schaurig, an sein Ohr dringen hört und sich von einer ihm gewordenen Offenbarung überzeugt hält. Es ist vielmehr ganz natürlich, dass er zuerst von tiefer Ehrfurcht, dann, durch den Gehalt der Prophezeihung, von ebenso tiefem Entsetzen ergriffen wird1). נ) Zu bemerken wäre noch, dass, wenn das Citat Abarbanels aus Samuel ben Chofni genau wäre, dass nämlich «Alles, was von der Rede Samuels an Saul in der Schrift berichtet wird, Nichts als eine Erzählung der Frau war, die vorgeblich im Aufträge Samuels ihm diese Botschaft überbrachte», dann allerdings Abarbanels Vorwurf begründet, wäre, dass dies nicht nur gegen den Buchstaben der Schrift, sondern auch gegen alle Wahrscheinlichkeit sei, da eine blosse Erzählung des Weibes unmöglich diese erschütternde Wirkung auf Saul haben konnte. (Es würde das freilich wiederum beweisen, dass der Gaon R. Samuel trotz der Schwierigkeit, die ihm eine rationelle Erklärung dieser Begebenheit bereitete, sich doch dem Mysticismus nicht gefangen geben wollte). Allein das Citat ist ungenau. Kimchi u. A. führen im Namen des Gaon an, dass das Weib Jemanden in einem Verstecke hatte, der die Stimme Samuels nachahmte. Das ist schon etwas Anderes. Dann lässt sich die Wirkung auf Saul begreifen. Wenn Kimchi (und nach ihm Laniado) auch dagegen den Einwand erheben, dass Saul und seine Begleiter einen solchen Betrug wohl gemerkt hätten, so vergessen sie, dass die schlaue Betrügerin in ihrer eigens zu diesem Zwecke