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Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung · 1881-01-01 · 1881 · page 40

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Journal
Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
Volume
1881
Date
1881-01-01
Page
– (sequence 40)
Language
German
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37 Kommen wir nun zur Sache selbst. Man ist vielleicht auch heutigen Tages noch nicht hinter alle Schliche der verschiedenen Gaukler gekommen. Allein man weiss von ihren Manipulationen genug, um sich nicht mehr so leicht täuschen zu lassen1). Schon im Alterthume brachte man die Bauchrednerkunst mit der Nekromantie in Verbindung2). Doch scheint man damals die Bauchrednerei selbst mit unheimlichem Spuk umgeben zu haben3). Jetzt hat man diese Kunst an Hunderten von Beispielen sorgfältig studirt. Man weiss, געיני האמנתם אבל כבר יעידו על ענינים אחרים יוצאים מהמנהג הנהוג הטבעית ויותר זרים מזה (Abarbanel a. a. O.). Man weiss freilich, dass dieser edle Mann und treffliehe Gelehrte oft nur ans Pietät gegen Bibel und Talmud rationelle Erklärungen abweist und nach mysteriösen sucht, wobei er, an jeden Strohhalm sich klammernd, leicht auch auf Absurdidäten geräth. Allein er kann doch nicht verlangen, dass Andere dasselbe thun. L) Leichtgläubige giebt es freilich zu allen Zeiten. Man denke an den Mesmerismus und Cagliostro im 18. Jahrh. Vor nicht langer Zeit haben auch die «Spiritisten» mit ,ihren «Medien» von sich reden gemacht, doch scheinen sie ihre Rolle schon ausgespielt zu haben. Ebenso hat in ganz neuester Zeit der sogenannte «Hypnotismus» ein vorübergehendes Aufsehen hervorgerufen. 2) Die LXX übersetzen die Worte der Schrift 1) בקשו לי אשת בעלת אוב Sam. 28, 7) geradezu mit £7]TTjC«Te p.01 yuvaixa £yya0Tpt[j.ü1iov. «Suchet mir eine Bauchrednerin». Das ist wohl auch die richtige Uebersetzung von אוב• S. Fürst’s Concordanz s. v. אוב «Hohlbauch», «Schlauch», vgi. Job 32, 19 כאובות חדשים יבקע• 3) S. Gesenius s.v. ־אוב• «Diese (die Todtenbeschwörer) waren meistens Bauchredner, von welchen man glaubte, dass sie einen Dämon in sich hätten, der aus ihnen rede. Daher der Beschwörer selbst gleichsam das Gefäss (der Schlauch) war, in welches der Dämon gefahren». — Ygl. auch Flav. Josephus, der (nach dem Vorgänge der Septuaginta) das Weib von Endor ebenfalls als Bauchrednerin (syyaaTptp-üüov) bezeichnet, aber zugleich bemerkt: «Es war das eine Art Wahrsagerinnen, die die Seelen der Verstorbenen hervorrufen und durch sie die Fragenden mit zukünftigen Dingen bekannt machen». (Alterthümer Buch VI. Cap. 14). Nach Josephus scheint man also — um in der Sprache der Spiritisten zu reden — den Bauchredner für das «Medium» gehalten zu haben, durch welches der abgeschiedene Geist sich mittheilte. Bemerkenswerth ist, dass, während Josephus bei Erklärungen von Bibelstellen meist rationell zu Werke geht, um sie seinen nichtjüdischen Lesern plausibel zu machen, er ein solches Verfahren bei diesen und ähnlichen Geistergescliichten und Wahrsagereien durchaus nicht für nÖthig zu halten scheint. So erzählt er (Alterthümer Buch VIII. Cap. 2): «Ich habe selbst einen meiner Landsleute, Namens Eleasar, gesehen, der vor dem Kaiser Vespasianus böse Geister austrieb. Er hielt dem Besessenen einen Ring vor die Nase, in dessen Kästlein salomonische Heilkräuter eingeschlossen waren, an denen er riechen liess und so den bösen Geist, unter salomonischen Beschwörungen, auszog, zugleich aber dem Dämon befahl, ein in der Nähe stehendes Trinkgeschirr umzuwerfen, damit alle Welt sehe, dass er wirklich ausgefahren sei». (Vgl. auch den vom Essäer Simon dem Könige Archelaus gedeuteten Traum. Jüd. Alterthümer Buch 17, Cap. 13, § 3).

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