Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1881
- Date
- 1881-01-01
- Page
- – (sequence 38)
- Language
- German
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35 Töne zu hören glauben, die ausser ihnen selbst gar nicht existiren.» So glaubte denn auch Saul die ihm früher wohlbekannte Stimme Samuels, aber ganz dumpf und leise, zu hören. Was diese Stimme ihm offenbarte, combinirte sich in seiner aufgeregten Seele aus Dem, was Samuel ihm schon beim Leben verkündet hatte, und aus Dem, was sein Ahnungsvermögen und eine gewisse ihm eig*ene prophetische Begabung noch hinzufügte, und ward so zu einem ganzen einheitlichen und erschütternden Orakelspruche. Darauf deutet auch der Ausspruch unserer Weisen hin, wenn sie sagen: Drei Dinge werden über die Nekromantie ausgesagt: Der Todtenbeschwörer, er allein sieht eine Gestalt, kein Anderer; der ihn Befragende, er allein hört eine Stimme, kein Anderer; die fremden Zuschauer aber sehen Nichts und hören Nichts1). Das ist natürlich. Der Betheiligte, der sein ganzes Bestreben darauf richtet und sein Gehirn mit aller Macht anstrengt, ein Orakel zu hören, glaubt endlich wirklich Etwas zu hören; der Nekromant, dessen ganzes Trachten dahin geht, die von ihm geforderte Person zu citiren, glaubt endlich eine Gestalt zu sehen; die fremden, völlig unbetheiligten Personen hingegen sehen Nichts und hören Nichts. Als daher die Zauberin von Endor ihr Gehirn zermarterte, Samuel zu citiren, und die ihr wohlbekannte ehrwürdige Gestalt plötzlich ihr vor die Seele trat, oder richtiger in ihrer Phantasie auftauchte (denn sie hatte in Wirklichkeit nichts sinnlich Wahrnehmbares gesehen), da kam es wie eine Eingebung über sie, und es, fiel ihr ein, das könne nur der König sein, der den Muth hat, eine so ehrwürdige, hochheilige Erscheinung zu fordern, darum erschrak sie heftig und schrie: «Warum hast du mich betrogen, du bist ja Saul»2)! Zu diesen Worten des Gersonides (RLBG) bemerkt Abarbanel was folgt: «Wohl hat RLBG eine Stütze an Maimonides, der in seinem Mischna-Commentar (Sanhedrin 7, 7) ebenfalls behauptet, in der Nekromantie erfolge nichts sinnlich Wahrnehmbares, weder Sehen noch Hören, sondern Alles sei ein Werk der Einbildung. Trotzdem ist diese Erklärung von der Wahrheit sehr entfernt. Denn, erzählt uns auch die Schrift von Saul, dass er schwermüthig war, nirgends wird uns berichtet, er 1J Yajikra rabba Cap. 26. 2) Levi ben Gerson in Milchamot 2. Abhandlung am Schlüsse und in seinem Bibelcommentar z. St. — Ygl. auch das mit Erläuterungen versehene Citat in Abarbanel z. St. 3*