Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1881
- Date
- 1881-01-01
- Page
- – (sequence 37)
- Language
- German
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84 stitiosen Auffassung nicht zu trennen vermögen, so interessiren uns ihre feinen Distinctionen in der Detailausführung weniger, und wir müssen sie, trotz ihrer angeblichen Vermittelung, einfach der zweiten Gruppe zuweisen. Nachdem ich nun die Ansichten älterer und neuerer Schriftausleger in aller Kürze1), aber auch, wie ich glaube, mit genügender Deutlichkeit, angeführt habe, gestatte ich mir, hier zu denselben einige Bemerkungen beizufügen, die meines Wissens noch nirgends gemacht worden sind. a) Gersonides spricht sich über unsere Schriftstelle also aus: «In Wahrheit hatte Saul von Samuel keine Offenbarung erhalten, sondern es war Alles ein Spiel seiner Einbildung, ein Werk seiner Phantasie, denn da Saul sein Denken stets auf die Ungnade gerichtet hielt, in die er bei Gott gefallen, und auf den sichtbaren göttlichen Schutz, dessen sein Rival David sich zu erfreuen hatte; da er sich in dieses Denken immer mehr vertiefte und in der Einsamkeit darüber brütete, so erging es ihm wie so manchen Menschen von krankhafter Einbildungskraft, die mit Sinnestäuschungen behaftet sind, so dass sie Gestalten zu sehen oder Offenbarung erzwingen, indem er hoffte, nach beginnendem Zauber, der doch jedenfalls das Geisterreich in Erregung versetzt («Leicht aufzuritzen ist das Reich der Geister. Sie liegen wartend unter dünner Decke. Und leise hörend, stürmen sie herauf» — lässt Schiller den Thibaut sagen), von seinem ehemaligen verklärten Freunde Samuel unter Gottes Beistände (ohne nöthig zu haben, die Nekromantie fortsetzen und zu Ende führen zu lassen) eine wirkliche heilige Offenbarung zu erhalten, was ihm dann in der That, aber auf eine für ihn schreckliche Weise gelungen ist. Sein Irrthum bestand darin, dass er nur das durchgeführte Zauberwerk, nicht aber den Beginn desselben für sündhaft hielt. Dieser unselige Irrthum wird ihm im Buch der Chronik (I. 10, 13) als folgenschwere Sünde angerechnet. — Genau genommen, ist das Alles schon in der erwähnten Erklärung Baal Akeda’s enthalten, doch in dem einen Punkte weicht Laniado (wie er das ausdrücklich bemerkt) von ihm ab, dass Baal Akeda die Wahrsagerin blos vorbereitende Anstalten zum Zauberwerke treffen lässt, während Laniado die Zauberwirkung thatsächlich beginnen lässt, denn — meint er — der blosse vorbereitende Versuch würde in der Chronik nicht als so schwerwiegend bezeichnet worden sein, dass er das Sündenmass Sauls voll machte und seinen Tod mit verursachte. Ich habe diese Meinungen nur angeführt, um zu zeigen, mit welchen Schwierigkeiten diejenigen, die von ihren superstitiösen Anschauungen sich durchaus nicht zu trennen vermögen, zu kämpfen haben, um für unsere Schriftstelle eine nur einigermassen plausible Erklärung zu finden. Uebrigens weisen wir — wie schon im Texte bemerkt — alle diese Erklärer der zweiten Gruppe zu. x) Kimchi hat in seinem Bibelcommentar hierüber 2, Gersonides (Milchamot und Bibelcommentar) gegen 2l/2, Baal Akeda 3, Abarbanel 7 und Laniado gar 19 enggedruckte Foliospalten.