Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1881
- Date
- 1881-01-01
- Page
- – (sequence 36)
- Language
- German
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33 Es liesse sich eigentlich noch eine vierte Gruppe von Commentatoren aufstellen. Baal Akeda, Abarbanel und Laniado (im Keli Jakar) suchen nämlich in einem gewissen Sinne ebenfalls zu vermitteln. Denn obschon sie die übernatürliche Macht der Nekromantie in Bezug auf gewöhnliche Menschen anerkennen, so wollen sie doch nicht zugeben, dass dieselbe auch über die abgeschiedene Seele eines Propheten und Gottesmannes Macht genug habe, um sie citiren zu können, und suchen sich daher diese Begebenheit auf eine ganz eigenthümliche Weise zu erklären1). Allein, da sie sich in der Hauptsache von einer super- Auch Graetz (Gesell. Bd. 1 S. 219) legt diese vermittelnde Ansicht als Volkssage seiner Darstellung zu Grunde: «Sie machte ihre Beschwörungen, um tief aus der Erde schauerliche Töne, wie aus dem Grabe, vernehmen zu lassen. Aber anstatt eines Trugbildes erschien Samuel wirklich, in seiner greisen Gestalt, in einen langen Öbermantel gehüllt, worüber das Weib von Endor selbst in Schrecken gerieth.» ג) Baal Akeda meint, der Zauber hätte blos bewirken sollen, die Phantasie Sauls zu erregen und vermittelst dieser Erregung die dem Saul innewohnende prophetische Begabung in Wirksamkeit zu versetzen. Das sei nun in der That so weit gelungen, dass Saul eine wirkliche höhere Offenbarung erhielt. — Abarbanel schlägt einen andern Weg ein. Nachdem er im Namen des Kirchenvaters Augustinus angeführt, dass die Zauberin nicht Samuel sondern nur einen Dämon in der Gestalt Samuels citirt hätte, verwirft er diese Ansicht, weil die Schrift den Samuel zu Saul sprechen lässt: «Morgen bist Du und Deine Söhne bei mir!» was sie wohl einen Dämon nicht würde sprechen lassen. Trotzdem benutzt er den Gedanken des Augustinus auf seine Weise; er meint, allerdings habe die Nekromantie keine Macht über die abgeschiedene Seele eines Gottesmannes, wie Samuel, wohl aber über dessen Körper, insoweit, dass ein Dämon sich mit diesem verbunden hätte, und schon der Umstand, dass dieser Körper einst die Hülle eines so hervorragenden und gottbegnadeten Geistes war, bewirkte, dass die Erscheinung als eine sehr wichtige und die Weissagung als eine zuverlässige angesehen wird und dass die Schrift von ihr spricht, als wäre es die des Samuel selbst gewesen. Laniado nimmt zunächst die Ansicht des Kirchenvaters Augustinus gegen die Angriffe Abarbanels in Schutz, indem er dessen Erklärung durch' einige dem Sohar entlehnte kabbalistische Anschauungen zu stützen sucht, an die, wie er meint, jener christliche Gelehrte wohl am wenigsten gedacht, die sich aber nichtsdestoweniger mit seiner Ansicht verbinden lassen. Er selbst schliesst sich in der Hauptsache der Erklärung des Baal Akeda an, fügt aber noch Folgendes hinzu: dass Saul, nachdem er selbst mit solchem Eifer alle Todtenbeschwörer und Wahrsager aus dem Lande geschafft, sich jetzt doch, und wäre es auch in der grössten Bedrängniss, einem ausdrücklichen religiösen Verbote zuwider, der Nekromantie in die Arme wirft, kann nur dadurch erklärt werden, dass Saul von vornherein gar nicht die Absicht hatte, den Zauber sich vollenden zu lassen. Vielmehr wollte er, da ihm von Seiten der Heiligkeit (מצד הקרושה) alle Offenbarung verschlossen war, mit der Seite der Unreinheit (מצר הטומאה) — die ja nach ihrer Weise fast ebenso intensiv den Einblick in höhere Regionen verstattet — es versuchen, und so sich gewissermassen eine 3