Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1881
- Date
- 1881-01-01
- Page
- – (sequence 35)
- Language
- German
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32 hatte die Frau Anfangs keine Ahnung, dass es der König Saul sei, der sie befragt, sondern sie wurde erst durch die Erscheinung selbst darüber belehrt. Der von der Zauberin citirte Samuel war es selbst, der dem Könige seine Sünden vorrückte und ihm sein trauriges Schicksal weissagte; c) in solche, die einen vermittelnden Weg einschlagen. Auch sie halten (wie die Erklärer in Gruppe a) die Nekromantie im Allgemeinen für eitel Trug. Allein sie können sich nicht dazu entschliessen, die hier in der h. Schrift so bestimmt auftretende, mit unzweideutigen Worten das traurige Ende des Königs vorausverkündende Weissagung Samuels als ein blosses Werk des Betruges anzusehen. Sie nehmen daher an, dass, während die Wahrsagerin mit ihren Gaukeleien beschäftigt war, Gott selbst dazwischen trat und dem hart bedrängten Könige eine wirkliche Offenbarung zu TheU werden liess, zu der er sich in seiner Allmacht des verstorbenen, aber zu dem ebengedachten Zwecke ins Leben zurückgerufenen Propheten Samuel bediente, daher das fürchterliche Entsetzen der Frau, als sie die unvorhergesehene Erscheinung anstarrte1). ג) Die Geonim R. Saadia und R. Hai (angeführt in רר״ק ibid.) Unter den Neueren sind (nach Philippson a. a. O.) auch Hess und Dathe dieser Ansicht. Dieselbe Auffassung theilt auch der von mir citirte v. Brentano. Wenn derselbe jedoch zur Begründung derselben Folgendes vorbringt: «Was Samuel vorher verkündigt, konnte die Sybille von Endor nicht wissen. Wenn sie auch erfahren hatte, dass die Philister am nächsten Tage das Lager Israels angreifen werden, wodurch konnte sie den Tod Sauls und seiner Söhne voraussehen? Hätte nicht der König, durch ihre Weissagung erschreckt, das Lager in der Nacht abbrechen, über den Jordan sich zurückziehen, oder seine Söhne nach Hause schicken können?» — so ist diese Beweisführung keine unwiderlegliche. Es war allgemein, und somit auch der Wahrsagerin, genugsam bekannt, dass Saul und seine drei Söhne viel zu tapfer seien, um den Gefahren aus dem Wege zu gehen. Ja (wie schon Philippson richtig bemerkt) «auf ganz natürliche Weise konnte auch der Ausspruch, dass er in der Schlacht sterben müsse, ihn zur letzten verzweiflungsvollen Katastrophe geführt haben.» Triftiger schon sind die anderen Gründe, die v. Brentano anführt, dass nämlich: 1. Die Worte, die Samuel aus spricht, für eine Todtenbeschwörerin viel zu bestimmt seien. Zweideutigkeit ist sonst das Auszeichnende aller Antworten, welche die falschen Orakel und die Schwarzkünstler geben. 2. Wenn die Todtenbeschwörerin auch den Erfolg des bevorstehenden Treffens aus einzelnen Umständen hätte errathen können: würde sie ihn dem fragenden Könige mit solcher Freimüthigkeit bekannt gemacht haben? Leute, welche dieses Gewerbe treiben, verschweigen solche unangenehme Dinge, von deren Bekanntmachung sie keine Belohnung erwarten dürfen. Alles Das spricht für die vermittelnde Ansicht.