Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1881
- Date
- 1881-01-01
- Page
- – (sequence 34)
- Language
- German
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31 die meines Wissens noch nirgends gemacht worden sind. So sehr nämlich die Erklärer über die in Rede stehende Erscheinung Samuels — seit den ältesten Zeitenx) bis auf die allemeuesten — in ihren Anschauungen von einander ab weichen, sie lassen sich doch alle in drei Gruppen bringen: a) in solche, die das Ganze für das Gaukelspiel einer Betrügerin halten* 2). Nach ihnen hätte die Frau gleich Anfangs gewusst, dass es Saul sei, der sich an sie wendet, sie hätte sich aber, um der Sache mehr Wichtigkeit zu geben, so gestellt, als kennte sie Saul und seine Begleiter nicht, und als sei sie erst durch die Ausserordentlichkeit der Erscheinung darauf gekommen, in dem Fragenden den König zu errathen. Ebenso seien ihre dem Samuel in den Mund gelegten Prophezeiungen Nichts als kluge Vorausberechnungen der Wahrsagerin3); b) in solche, die in der Kunst der Todtenbeschwörer wirklich eine übernatürliche, furchtbare Macht anerkennen4). Nach ihnen *) Septuaginta, Josephus, Tanaim, Amoraim, Geonim und rabbinische Commentatoren, ausserdem auch Kirchenväter und andere christliche Schriftausleger. 2) Der Gaon R. Samuel ben Chofni (citirt von Kimchi z. St.); ungefähr so auch Gersonides z. St. — R. David Kimchi selbst spricht sich nicht offen genug aus; wir werden auf seine muthmassliche Auffassung im Abschn. F., auf die des Gersonides in ^diesem Abschn. weiter unten noch zurückkommen. 3) «Am freiesten urtheilte R. Samuel ben Chofni Hagaon, der Alles für eine Gaukelei der Frau hielt, die den König recht gut bei seinem Eintritte erkannte, sich aber nachher stellte, als erführe sie seinen Namen erst von der Erscheinung; die, mit den Verhältnissen des Königs wohl bekannt, ihm seine Sünden vorrückte und seinen Untergang in der nahen Schlacht prophezeit, indem sie (oder vielleicht ein Gehülfe) eine Geisterstimme nachahmt: Saul selbst sehe ja Nichts, sondern fragt ihr zuerst Alles ab und wirft sich alsdann auf die Erde, worauf erst das Orakel ertönt. Der Ansicht des freisinnigen Rabbi sind auch, ohne sie zu kennen, viele Neuere, v. Dahle, Clericus, Chandler, Michaelis, Niemeyer, Hezel, Schmersahl, Köcher, Hersler.» (Philippson z. St., der auch den damaligen Gemüthszustand Sauls und dessen Empfänglichkeit für mysteriösen Spuk mit lebhaften Farben schildert.) Derselben Ansicht ist Prof. J. F. Cotta (in seiner Erläuterung zu Josephus), der ebenfalls den Gemüthszustand Sauls und auch den Umstand in Anschlag bringt, dass, wie aus V. 14 hervorzugehen scheint, die Frau während des Aktes in einem Nebenzimmer weilte, was ihrem Betrüge zu statten kam. Auch Gersonides gehört hierher, doch wird das Eigenthümliche in seiner Erklärung noch besprochen werden. 4) Viele Rabbinen im Talmud, wenigstens wenn ihre Aussprüche buchstäblich genommen werden (vgl. jedoch weiter unten, Abschn. D., wie רד״ק diese rabbinische Erklärung aufzufassen scheint); ferner Nachmanides (5. Mos. 18, 9), der Verfasser des Sefer hachinuch (Nr. 62), Akedat Jizchack, Abarbanel und Laniado. Doch siehe über die drei Letzteren (und zugleich über den Kirchenvater Augustinus) die zweitnächste Anmerkung.