Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1881
- Date
- 1881-01-01
- Page
- – (sequence 33)
- Language
- German
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30 welches (eingestandenermassen) gar kein Licht (keinen Sinn) hat1). — So weit Laniado2). Haben wir nun bisher aus den verschiedenen prophetischen Büchern den Eifer der Gottesmänner gegen alles heidnische und abergläubische Wesen, in weicher Gestalt es immer auftreten mochte, kennen und schätzen gelernt3), so bleibt uns nur noch übrig, diejenigen Stellen, welche scheinbar dagegen sprechen, zu prüfen und zu erklären. Da fällt uns vor Allem die bekannte Begebenheit (1. Sam. 28, 3—21), betreffend die Zauberin von En-Dor, in die Augen, aus der hervorzugehen scheint, dass die Todtenbeschwörerin im Stande war, den Propheten Samuel aus dem Tode zu erwecken, ihn zu zwingen, dem Saul Rede zu stehen und — wie im Leben oft — so auch noch jetzt, nachdem er entschlafen war, die Zukunft zu verkünden. Es ist über dieses seitsame Ereigniss von älteren und neueren Schrifterklärern schon soviel gesprochen worden, dass fast nichts Neues mehr zu sagen bleibt. Ich werde mir indess gestatten, zunächst ein kurzes Resum6 Dessen zu geben, was diese verschiedenen Erklärer gesagt haben4), dann aber auch meinerseits diejenigen Bemerkungen beizufügen, נ) Will sagen: «Sie werden euch später noch bereden wollen, in den todten Götzenbildern selbst eine essentielle Macht anzuerkennen und zu verehren». 2) Auf diese scharfsinnige Erklärung der äusserst dunklen ProphetensteUe machte micb mein seliger Vater, weiland Rabbiner in Schwerin a/W., schon in meiner frühesten Jugend aufmerksam. 3) Einzelne in den geschichtlichen Büchern der Propheten vorkommende Ausdrücke, die vielleicht vom Volke missverstanden werden könnten, brauchen wohl dem Einsichtigen nicht erst erklärt zu werden. So bedeutet z. B. רוח רעה (wörtlich böser Geist) beim Könige Saul, in die Ausdrucksweise unserer Zeit übersetzt, Nichts weiter als «Schwermuth». Ein «böser Dämon», der sich durch Musik vertreiben lässt, ולקח דור את הכנור וכו' וסרה מעליו רוח הרעה (!. Sam. 16, 23) wäre in der That ein sehr seltsames Wesen. 4) Meine Quellen hierfür sind: 1) R. David Kimchi (רד״ק) z. St. — 2) R. Levi ben Gerson (רלב״ג) z. St. und im Milchamot Abh. 2 und Schluss. — 3)Akedat Jizchak zum Abschn. ׳קדושים Pforte 65. — 4) Abarbanel z. St. — 5) R. Samuel Eaniado in כלי יקר z. St. — 6) Einleitung und Erläuterung zu Josephus, von Prof. J. F. Cotta, Tübingen, 1736 S. 184—185. — 7) Die heil. Schrift des alten Testaments von Dominikus von Brentano, fortgesetzt von Dr. Dereser, Frankfurt a/M. 1827 z. St. — 8) Philippson z. St. — Alle diese Commentatoren ergehen sich in grosser Ausführlichkeit. Dann noch kurze Andeutungen in Ibn-Esra zu 3. Mos. 19, 31; Maimonides, Mischna-Commentar zu Sanhedrin Cap. 9, letzten Absatz, Nachmanides 5. Mos. 18, 9, Sefer hachinuch Abschn. ׳משפטים Graetz, Gesch. Bd. I., S. 219, mein Bruder M. Joel, «Levi ben Gerson» S. 46—47, dessen «Chasdai Creskas» S. 79, Harkavy in Berliners Magazin Jahrg. 1878, S. 16, Rosin, «R. S. ben Mexr» S. 118, Rapoport, Bikure haittim, Wien 1829, S. 86.