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Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung · 1881-01-01 · 1881 · page 24

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Journal
Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
Volume
1881
Date
1881-01-01
Page
– (sequence 24)
Language
German
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IRI
…/2720904-2720951--023-2723508
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21 thums. Die heilige Schrift will uns einen ganz naturgemässen, aber zugleich sehr belehrenden Vorgang zeichnen, der freilich schon dadurch, dass in der Bibel Alles auf Gott zurückgeführt wird, in einem viel heiligeren Gewände auftritt, als es in jedem anderen, weltlichen Berichte der Fall wäre. Die heidnischen Völker hatten alle mehr oder weniger Vorurtheile gegen die Israeliten, was wohl schon von den Tagen der Erzväter her, die durch ihren offen bekündeten Monotheismus der ganzen übrigen polytheistischen Welt Opposition machten, datiren mochte. Bileam theilte im Grossen und Ganzen das allgemeine Vorurtheil der Völker gegen Israel (wobei vielleicht auch sein Patriotismus in Anschlag zu bringen ist), und war daher geneigt, auf das Verlangen Balaks, über dieses Volk den Fluch auszusprechen, einzugehen, sei es, dass er wirklieh an die Macht und die Wirksamkeit seines — wie er meinte — gerechten Fluches, dem also auch Gott seine Zustimmung nicht versagen würde, glaubte, sei es, dass er, in schlauer Berechnung, auf die Leichtgläubigkeit Anderer baute, und so durch seinen Fluch die völlige Entmuthigung der davon Betroffenen erhoffte. Indess, da Bileam (wie aus der Schrift selbst hervorzugehen scheint) vermöge seiner Forschungen sich vom Polytheismus immer mehr abwandte und dem Monotheismus zuneigte, so konnte sein Vorurtheil gegen Israel unmöglich so intensiv gewesen sein, wie bei gewöhnlichen Menschen, und er musste sogar in seiner Ansicht, dass der gegen dieses Volk auszusprechende Fluch ein gerechter sei (er also hierbei auf Gottes Zustimmung rechnen könne), immer mehr schwankend werden. Daher seine Antwort an die Abgesandten Balaks, «er könne noch gar nicht wissen, wie Gott über ihn verfügen würde.» In einer solchen Seelenstimmung trat er die verhängnissvolle Reise an. Damit würde übereinstimmen, was Maimonides im More Nebuchim II, 42 aussagt, dass «alle von dieser Reise in der h. Schrift berichteten Hindernisse und Erscheinungen lediglich eine Vision seien», und zwar eine Vision, in der sich die schwankende Gemüthsstimmung und der aufgeregteSeelenzustand Bileams deutlich abspiegelten. Je näher derselbe jetzt aber dem Schauplatze seiner Bestimmung, d. i. dem israelitischen Lager kommt, je mehr er vielleicht durch seine Vertrauten über Israels Leben und Wesen genauere Erkundigungen einziehen lässt, um so mehr kommt er zu der Ueberzeugung, dass sein Fluch ein ungerechter wäre und dass hier vielmehr Segen am Platze sei. In dieser Ueberzeugung wird er durch wirkliche göttliche Inspirationen bestärkt

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