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Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung · 1881-01-01 · 1881 · page 22

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Journal
Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
Volume
1881
Date
1881-01-01
Page
– (sequence 22)
Language
German
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IRI
…/2720904-2720951--021-2723506
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19 Heeres erkannt wurde. Die Räthe des Königs meinten nun, gerade weil ein so hochgestellter Officier sich zum Spionsdienste hergegeben habe, müsse bei ihm die ganze Schärfe des Gesetzes zur Anwendung kommen und jeder Milderung־sgrund ausgeschlossen sein. Der König selbst aber war anderer Ansicht. Er liess den Spion in seinem ganzen Lager umherführen, ihm die ganze furchtbare Zurüstung zum Sturme, kurzum alles Das zeigen, was die Einnahme der Festung über kurz oder lang herbeiführen musste, dann liess er den Spion frei ziehen. Seinen Vertrauten gegenüber motivirte der König sein auffällig scheinendes Verfahren damit, dass er längeres Blutvergiessen vermeiden wolle. Wenn also der bisher so hartnäckige Feind jetzt von einem angesehenen und kriegskundigen Officier aus seiner eigenen Mitte — an dessen Aufrichtigkeit zu zweifeln er keinen Grund hat — erfährt, dass die Einnahme der Stadt nur eine Frage der Zeit sei, aber früher oder später unbedingt erfolgen müsse, so dürfte er zu capituliren geneigt sein. Diesem Zwecke zu Liebe dürfte man schon den Spion diesmal begnadigen. Sollte derselbe jedoch trotzdem und wider Erwarten seinen Kampfesgenossen zum fortgesetzten Widerstände rathen, vielleicht gar in dem erneuten Kampfe mit den Waffen in der Hand betroffen werden, so werde er seiner verdienten Strafe nicht entgehen. Das ist das Bild, das Gegenbild ist folgendes. Obwohl Gott an Israel durch die Offenbarung seiner Lehre und durch seine Wunderwerke sich verherrlicht hatte, wollten die heidnischen Völker die Allmacht des einzigen Gottes und die Auserwählung Israels nicht anerkennen. Bileam, der hochbegabte Mann, der sich die Aufgabe gestellt, die Schwächen des israelitischen Volkes zu erkunden, sich also gewissermassen zu Spionsdiensten herbeigelassen hatte, wurde von Gott dazu ausersehen, den Heiden Das zu verkünden, was sie einem Moses nicht glauben wollten, er musste daher momentan mit der höchsten (der des Moses gleichenden) prophetischen Begabung ausgestattet werden1), und in der That können seine hochwichtigen, bis in die fernste Zukunft Israels und anderer Völker hineinschauenden Weissagungen nur mit denen eines Moses verglichen werden. Damit er aber nicht wirklich in sich die Neigung verspüre, sich *) כדי שלא יהי' להם פתחון פה לאומות העולם לומר אלו הי' לנו נביא כמשה היינו עובדים להקבה. «Damit es den Völkern nicht zum Vorwände diene: hätten wir einen Propheten gehabt, dem Moses gleich, so wären wir Gott ergeben gewesen.» (Midrasch rabba ibid.)

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