Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1881
- Date
- 1881-01-01
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
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14 Vorherverkündigung den bei ihm Hülfe Suchenden einen positiven Nutzen gewährt, ist sehr fraglich, denn erstlich kann ja das Horoscop ungünstig ausfallen, die Macht, daran etwas zu ändern, besitzt er aber nicht; aber selbst im günstigen Falle — beispielsweise, wenn einem Feldherrn verkündet wird, dass eine Schlacht, an einem bestimmten Tage geschlagen, für ihn günstig sein könnte — fragt es sich, ob der Feind gerade für diesen Tag die Schlacht annehmen wird, ferner, ob nicht für ihn selbst unübersteigliche Hindernisse da sind, gerade an diesem Tage bereit zu sein. Indess, kann auch von einem unmittelbaren und unbedingten Nutzen nicht die Rede sein, die Hoffnung bleibt nicht ausgeschlossen, dass Alles noch günstig ausfalle und so doch ein mittelbarer Nutzen daraus entstehe. Noch eine dritte Art kannten die Alten, wie wir dieselbe besonders im Judenthume sehen, wo weder von einem Zauberkünstler, noch von einem Sterndeuter, sondern von einem Gottesmanne (איש האלהים) und Propheten (נביא) die Rede ist, der durch sein starkes Gottvertrauen und sein inniges Gebet von Gott selbst eine günstige Wendung der Dinge erwirkt (erfleht). Soll aber das Volk zu einem solchen Manne Vertrauen haben, so musste es seinen Lebenswandel als einen stets musterhaften, ununterbrochen streng sittlichen, religiös-moralischen kennen gelernt haben, es musste von ihm wissen, dass er, ganz dem Göttlichen hingegeben, allen weltlichen Lüsten und allem irdischen Getreibe fern bleibe. Das aber — auch die Aeltesten Midians wussten es — war bei Bileam nicht der Fall, und darum konnten sie sich von ihm einer solchen unmittelbar durch Gott wirkenden Kraft nicht versehen. Wie sein sittlicher Charakter war, erkennen wir ja schon aus dem nichtswürdigen, verabscheuungswerthen Rathe, den er den Moabitern gab, die eigenen Töchter preiszugeben, um Israels Jünglinge und Männer durch Unzucht verführen zu lassen1). Und 1j Dass dieser Ratli Bileams schon — wie die Rabbinen (Sanhedrin 105) meinen — aus den ־Worten 4) איעצך אשר יעשה העם הזר. לעמך באחרית הימים. Mos. 24, 14) hervorgehen sollte, ist allerdings gezwungen, wie bereits Ibn-Esra bemerkt und Nachmanides (ibid. 25, 1) indirect bestätigt hat. Doch die Thatsache selbst, dass nur ein Bileam diesen abscheulichen Rath ausgeheckt, steht fest, und zwar aus 4. Mos. 31, 16 הן הנה היו בדבר בלעם למסר מעל בד. — Die Worte ברבר בלעם können nur heissen «auf den Rath Bileams». (Unter בדבר בלעם blos «gelegentlich der Biliam-Affaire» verstehen zu wollen, wäre mehr als gesucht, auch hat ja Nach־ manides Recht, dass die Sache eine hochpolitische war, der gegenüber ein so vor-