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Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung · 1881-01-01 · 1881 · page 14

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Journal
Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
Volume
1881
Date
1881-01-01
Page
– (sequence 14)
Language
German
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IRI
…/2720904-2720951--013-2723498
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11 neutisch (דרך דרוש) behandelt, aber doch manches Beherzigenswerthe enthält. «Es giebt Dinge» — meint er — «an welche, obschon sie Anfangs ganz schlicht und harmlos waren, doch im Laufe der Zeiten abergläubische Vorstellungen sich knüpften. So scheine der Sinn jener Stelle (2. Mos. 30, 11 —16) einfach der zu sein, dass Jeder, der gewürdigt werde, in eine Gemeinschaft aufgenommen, als Glied eines Volkes mitgezählt zu werden, das Bewusstsein haben müsse, für diese Gesammtheit Etwas zu leisten, und komme es hierbei nicht darauf an, ob er äusserlich gut oder minder gut situirt sei, denn Jeder könne doch nach seiner Kraft in irgend einer Weise nützlich sein; ebenso dürfe Niemand sich einbilden, er sei für die Gesammtheit eines Volkes unentbehrlich, er allein halte •sie empor, da vielmehr jeder Einzelne immer nur ein Bruchstück des Ganzen bleibt. Das wird durch die Anordnung symbolisirt: Der Reiche soll nicht mehr, der Arme nicht weniger als einen halben1) Schekel geben! und hinzugefügt, dass nur, wenn die Mitglieder eines Volkes so erzogen werden, sie kein Schaden treffen könne, so oft man sie zählt — die Mitwelt wird dann die Menge ihrer Zahl nur als Segen, nicht als Nachtheil ansehen.» So ungefähr lauten seine Worte. Er exemplificirte diesen Gedanken noch durch die neueste Tageserscheinung2), dass die Judenfeinde die jüdische Bevölkerung so oft zählen und statistisch ihre starke Vermehrung nachzuweisen sich bemühen. Das könne doch nur dann ein Vorwurf sein, wenn diese Vermehrung der Welt zum Schaden gereiche, nicht aber wenn sie im schlichten oder im höheren Sinne des Wortes Nutzen verschaffe, dann dürfe man sie zählen, dann wird die Zählung ihnen nicht verderbenbringend sein (ולא יהי' בהם נגף בפקד אותם)• Er knüpfte alsdann die Ermahnung an unsere Glaubensgenossen, ihr Leben dem entsprechend einzurichten, es genüge nicht, immer nur zu sagen: «Wir sind nicht schlechter als die Anderen», sondern: «Wir vrollen uns bestreben, besser zu sein». «Wozu hätte denn ein tausendjähriges Martyrium, wozu hätte eine so strenge fast 4000jährige Erziehung genützt, wenn sie weiter Nichts bewirkte, als dass wir nicht schlechter geworden als Andere. Es liegt darin aber auch keine Ueber- 2) Die Schrift konnte auch sagen: Ein Jeder gebe 10 Gera, da der Schekel 20 Gera betrug, es sollte aber gerade der halbe Schekel betont werden. 2) Die Predigt wurde am 7. Februar 1880 gehalten.

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