Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1881
- Date
- 1881-01-01
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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9 nähme desselben gar nicht oder doch nur sehr ungenau und obenhin zu betrachten, weiss somit nicht, ob ein Ueberschuss der Geburten über die Todesfälle, also eine normale Vermehrung oder umgekehrt — sei es in Folge allgemeiner oder partieller Epidemien, Hungersnoth und sonstiger Calamitäten — eine stetige Verminderung vor sich geht. Man lebt in dieser Hinsicht, so zu sagen, in den Tag hinein. Sobald aber eine Zählung vorgenommen wird, ändert sich die Sache, Alles rechnet, blickt ängstlich in die Zukunft, es tritt also von da ab eine neue Aera ein, und somit ist der Zeitpunkt einer solchen Volkszählung wichtig, er regt an zum In sich gehen, er fordert zur Busse oder — wie die Schrift sagt — zur Sühne für die Seelen auf; jeder Einzelne bringt mit dem Sühngelde gewissermassen ein Opfer, begleitet von dem innigen Gebete, dass Gott den Gezählten Leben und Gesundheit schenke, dass nicht später in Folge der Zählung Angst und Schrecken seien, damit nicht der auf sich und seine Lieben, aufmerksam gewordene Mensch etwa genöthigt sei, mit Job auszurufen: פחד פחדתי ויאחיני ואשר ער־תי יבא לי «Was ich fürchtete traf ein, wovor mir bangte, das kam» (Job. 3, 25.) Das ist der Sinn der Worte: ולא יהי' בהם נגף בפקד אותם «dass ihnen die Zählung nicht zum Verderben gereiche.» Es gehört also das Gebot des Sühngeldes nicht in das Gebiet des Mysticismus, sondern in das des Glaubens, des Gebetes und des Vertrauens auf Gott. — Mit Recht haben daher die späteren Lehrer angeordnet, dass ein solches Sühngeld (auch ohne Zählung) alljährlich ein Mal, zum Zwecke der Erhaltung der gottegdienstlichen Einrichtungen, und zwar kurz vor dem Erlösungsfeste, entrichtet werde 1באחד באדר משמיעין על השקלים). (Schekalim Anfang2). ף Sie fanden auch eine Stütze dafür in der h. Schrift (2. Chron. 24, 6 und 9) להביא את משאת משה עבר ד• Vgl. Ibn-Esra und Nachmanides. Nähere Erörterung im Abschn. B. 2) So pflegte ich gewöhnlich das ־שקל ים Gebot beim Religionsunterrichte zu interpretiren. Indem ich mich bemühte, unter den alten Schrifterklärern einen Gewährsmann für meine Auffassung zu finden, fand ich endlich zu meiner Freude, dass Sforno (ספורנו) z. St. — in aller Kürze freilich — denselben, oder doch einen ganz ähnlichen Gedanken ausspricht: □ונתנו איש בפר נפשו׳ כי הברח המנין באישי האד הוא מצר ההשתנות הקורה באישיו טהויה והפסד וזה בסבת חטאם כאמרם ושבח פ' במה אשה יוצאה) אין מיתה בלא חטא ובכן כל מנין הוא מזכיר עון לכן יאות שיחן כל אחד כפר נפשו לכבוד האל יח' והוא רחום יכפר עון כאמרו לכפר על נפשותיכם ולזה אמר העשיר לא ירבה והדל לא ימעיט כי בזה לא נכר שוע'לפני דל•