Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1881
- Date
- 1881-01-01
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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8 Beweist das? Nichts weiter, als dass Rachel, die im Hause Labans erzogen war, trotz der guten Lehren, die, sie von Jacob empfangen, sich noch nicht ganz vom Aberglauben hatte frei machen können. Jacob selbst hatte so wenig eine Ahnung davon, dass er zu Laban sprach: «Bei wem du deine Götter findest, der lebe nicht1)!» Dass die angeführten Commentatoren über die Wirk־־ samkeit der Teraphim anders denken, wird noch in Abschnitt F. besprochen werden; was wir hier sagen wollen, ist nur, dass im göttlichen Worte dazu keine Nöthigung vorliegt. Eine zweite Stelle ist 2. B. Mos. 30, 12. «Wenn du auf-־ nimmst die Zahl der Gemusterten der Kinder Israel, so gebe jeder ein Sühngeld seiner Seele dem Ewigen, wenn man sie mustert; dass sie keine Seuche treffe, indem man sie mustert.» Raschi bemerkt zu den Worten «dass sie keine Seuche treffe», was folgt: «Denn beim Zählen regiert das böse Auge (2עין הרע), es entsteht die Pest, wie wir das bei der Volkszählung Davids finden». Nach dieser Auffassung musste man in der That die Existenz übernatürlicher, aussergöttlicher Mächte annehmen, die durch das «böse Auge», den sogenannten «bösen Blick», angeregt werden und deren verderbliche Wirksamkeit nur durch ein mystisches Gegenmittel in Gestalt eines «Sühngeldes» aufgehoben werden kann. Dass diese Auffassung sehr verbreitet war und in dem biblischen Berichte von der Volkszählung Davids und der darauf folgenden Pest scheinbar ihre Stütze fand, ist allgemein bekannt. Allein wir werden in Abschn. B. den Nachweis führen, dass es mit der Volkszählung Davids eine ganz andere Bewandtniss hat, und dass sie mit dem hier in Rede stehenden Gebote des Sühngeldes in gar keinem Zusammenhänge steht. Um uns nicht selbst vorzugreifen, müssen wir uns vorläufig mit diesem Hinweise begnügen. Wir haben es ja hier nicht mit den Büchern Samuel und Chronik, sondern mit dem Pentateuch zu thun, und da glauben wir behaupten zu dürfen, dass keine Nöthigung vorliegt, für das Gebot des Sühngeldes einen mystischen Grund aufzusuchen. — So lange nämlieh ein Volk nicht gezählt wird, pflegt man die Zunahme oder Ab- *) Wenn es Bereschit rabba z. St. heisst: es habe dieser Fluch in der That Rachel getroffen, da sie frühzeitig unterwegs gestorben, so soll hiermit vielleicht auch angedeutet werden, sie habe durch diese Handlung sich versündigt und sei deshalb von der gerechten Strafe ereilt worden. 2) Ueber die Bedeutung von עי[ הרע wird noch in Abschn. C. gesprochen werden.