Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1880
- Date
- 1880-01-01
- Page
- – (sequence 119)
- Language
- German
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115 das Heiligthum lagerte und dann als sinnliches Zeichen des rein geistigen Gottes über der Lade verblieb1). Als am achten Tage der Priesterweihe eine Flamme aus dem Allerheiligsten hervorbrach und die auf dem Altäre aufgeschichteten Opfergaben vor den Augen des versammelten Volkes entzündete, so war das eben jenes Sichtbarwerden Gottes, wovon die Schrift bei dieser Gelegenheit spricht2). Kurz, es ist Nichts ausser dem sinnlichen Zeichen der Nähe Gottes wahrnehmbar, weil Gott über alle Körperlichkeit erhaben bleibt. 2. Auch die Allwissenheit Gottes unterliegt einer Be- Schränkung nicht. a) Wie RSBM einem Widerspruch begegnet ist, indem er die Prüfung des menschlichen Verhaltens durch Gott nach der gewöhnlichen Auffassung vermittelst einer neuen Erklärung wegdeutete, haben wir bereits oben gesehen3). b) Wenn Gott dennoch in der Erzählung von der verlangten und dann abgelehnten Opferung Isaaks die Worte spricht: «Denn nun weiss ich, dass Du gottesfürchtig bist», so drückt das nicht einen etwaigen Zuwachs an Wissen in Gott aus, sondern bedeutet nach RSBM4): Jetzt sehe ich (es als Thatsache) und ist es demnach aller Welt kund geworden, dass Du gottesfürchtig bist. c) Moseh’s Ein wand, das Volk werde nicht imStande sein, auf den Berg Sinai nach geschehener Abgrenzung zu steigen, könne, meint RSBM5), nicht den Sinn haben, als ob Moseh Gott auf etwas Ihm Unbekanntes habe aufmerksam machen wollen, sondern habe einen andern Sinn. — Dasselbe bemerkt er zu einer ähnlichen Stelle6). d) Dass aber nach den wiederholten Aeusserungen der Schrift das Gedächtniss Israels vor Gott durch Einsetzungen und Handlungen erhalten oder erweckt werden soll, fand R. Samuel so wenig im Widerspruch mit der Fülle göttlichen Wissens wie die Hoffnung gnadenreicher Erhörung* und Wirkung, welche das religiöse Bewusstsein ohne Anstoss den Worten der Andacht beimisst. Er trägt daher kein Bedenken, jene Gedächtnisserregung *) Zu 2. Mos. 40, 35. 2) Zu 2. Mos. 29, 43 (S. 40 A. 3); zu 3. Mos. 9, 4. 23. 24; 10, 1. 2. 3) S. 109 Nr. 1. 4־) Zu 1. Mos. 22, 12. 5) Zu 2. Mos. 19, 23. 6) Zu 4. Mos. 11, 21.