Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1880
- Date
- 1880-01-01
- Page
- – (sequence 113)
- Language
- German
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109 HL Auch von den ansprechenden, aber unhaltbaren Erklärungen lassen wir einige Beispiele folgen. 1. Dass Gott, der Allwissende, den Menschen prüfe, war von jeher eine Schwierigkeit, deren Vermittelung denkende Exegeten ebenso wie Religionsphilosophen für ihre Aufgabe ansahen1). RSBM beseitigt die Frage durch eine ganz andere Auslegung desjenigen Wortes, welches allgemein in der Bedeutung von «prüfen» verstanden wird2). 2. Die Behauptung, der Name des späteren Tempelberges laute eigentlich nicht Moriah, sondern Amor iah, und bedeute «Amoräerland»3), ist mehr geistreich als begründet, da nicht der Stamm Emori, sondern Jebusi in der Landschaft dieses Berges wohnte (Jos. 15, 63), weshalb ja auch Jerusalem vormals Jebus geheissen hatte (Rieht, 19, 10. 11). 3. Das R. Samuel befremdlich scheinende Verlangen Moseh’s, Gottes Herrlichkeit zu schauen, erklärt er sich4) als Bitte um eine augenscheinliche Bundesschliessung auf die eben empfangene zwiefache Verheissung Gottes, erstlich «Moseh und Israel auszuzeichnen» durch die wunderbare Lichterscheinung in des Ersteren Antlitz, und zweitens inmitten Israels als siegreicher Helfer selbst zu wandeln. Die für diese Deutung herangezogenen Belege haben viel Blendendes; doch kann man bei weiterer Erwägung kaum daran festhalten. 4. In dem Satze «Jeder Einheimische in Israel soll in Hütten wohnen» legt RSBM Gewicht darauf, dass in diesem Ausdrucke der Besitz eines Hauses angedeutet sei; auch der Hausbesitzer solle also seine bequeme Wohnung am Hüttenfeste Jverlassen, um dem Gebote zu genügen5). — In Wahrheit aber hat jener Ausdruck den Zweck, den Nicht-Israeliten auszunehmen, da ף z. B. Ibn Esra zu 1. Mos. 22, 1 und Maimonides, Moreh DI, 24. 2) Zu 1. Mos. 22, 1 erklärt RSBM והאלהים נסה את אברהם «Gott griff den Abraham an» (S. 92 Nr. 2), zur Strafe nämlich dafür, dass er sich vermessen hatte, mit dem Philistäerkönige einen für Sohn und Nachkommenschaft verbindlichen Freundschaftsbund zu schliessen, während nach dem Rathschlusse Gottes das Philistäerland einstmals mit dem übrigen Lande Kanaan hätte angegriffen und erobert werden sollen. — Die Beweise für die angenommene Bedeutung von נסה sind allesammt nicht überzeugend und die Erklärung von Ijob. 4, 2 in diesem Sinne sehr gezwungen. — Nach der angeführten Stelle übrigens versteht man erst R. SAMUEL zu!2 למען אנסג. Mos. 16, 4 und zu ך! ,20 נסות. s) Zu 1. Mos. 22, 2, *) Zu 2. Mos. 33, 18. 5) Zu 3. Mos. 23, 42.