Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1880
- Date
- 1880-01-01
- Page
- – (sequence 107)
- Language
- German
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2720904-2720953--106-2723417- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
108 RSBM zu einer überzeugenden Auslegung in dem Gebote vom Priestersegen (4. Mos. 6, 2 2—27). Nicht die Priester sollen sich als die Segnenden ansehen und geberden; von Gott sollen sie den Segen für Israel erbitten, wie ja auch die von ihnen zu sprechenden Worte Gott denselben zuschreiben. Wenn sie so, schliesse die Schrift jenes Gebot, den Namen Gottes über Israel ausgesprochen, dann werde Gott Israel segnen1). 19. Der dreimaligen Wiederkehr desselben Wortes in drei aufeinander folgenden kurzen Sätzen benimmt RSBM alle Härte durch den Nachweis, dass beim dritten Male ein bedeutsames Wortspiel beabsichtigt worden sei2). 20. Selbst von gewinnenden ethischen Auslegungen lässt er sich nicht bestechen, sondern sucht mit gutem Erfolge einen neuen Weg an der Hand des einfachen Wortsinnes zu finden3). 21. Zuweilen war es ihm Vorbehalten, die schlichteste Erklärung, die keiner seiner Vorgänger gefunden, neu zu entdecken und so eine für räthselhaft gehaltene Redewendung vollständig ins Licht zu setzen4). 22. Weshalb gerade die angeführten Vergehen bei der Besitznahme Palästina’s mit dem Fluche ausdrücklich belegt worden seien, erklärt er sehr gut aus der ihnen gemeinsamen Straflosigkeit vor dem menschlichen Richter5). 23. Der Ausdruck «vor dem Könige sprechen» im Buche Ester habe seinen Grund in der damaligen Sitte, die es verbot, den König selbst anzureden, und nur die Ansprache an die anwesenden Räthe der Krone gestattete, wobei der König seinerseits nach Belieben hinhörte6). — Es würde zu weit führen, die vortrefflichen Erklärungen weiter darzulegen. Der eignen Kenntnissnahme aufmerksamer Leser muss es im Uebrigen überlassen werden, nach den gegebenen Proben die zahlreichen Stellen dieser Art, auch wenn sie ף zu 4. Mos. 6, 23. ף zu 4 והיד. לכם לציצית. Mos. 15,39. 3) Zu 5. Mos. 24, 8. 9 verglichen mit Sifre zu V. 9 bei Raschi. 4) Zu האמרת und 5 האמירך. Mos. 26, 17. 18. — Ohne dass RSBM es wissen konnte, hatte ein Zeitgenosse in Spanien, Jehuda halevi, nach dem Zeugnisse Ibn Esra’s z. St. dieselbe Erklärung gefunden. Der ruhmgekrönte Dichter und Denker war R. Samuel kaum dem Namen nach bekannt. 5) Zu 5. Mos. 27, 15. 26; vgl. zu 29, 28. 6) Zu Ester 1,!6 (auch bei Gg. נטעי נעם נ ים p. 10 a).