Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1880
- Date
- 1880-01-01
- Page
- – (sequence 82)
- Language
- German
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78 durch die gewonnene .Vermittelung stets neu zu erschliessenden Urquell. Zu dem Bedürfnisse des volkstümlichen Verstandnisses trat das der Rechtsprechung und gesetzlichen Entscheidung durch gelehrte Forschung in der h. Schrift, welche wie jede Gesetzesquelle zu diesem Behufe den vorkommenden Fällen gemäss ausgelegt werden musste. An den so durch Folgerung und Deutung nach einer überlieferten Methode hergeleiteten gesetzlichen Stoff, die Halachah, schloss sich die Agadah, der ebenfalls durch Auslegung der h. Schrift gefundene Stoff zur Erbauung und Belehrung bei den gottesdienstlichen Zusammenkünften. Als Halachah und Agadah immer mehr zum Bedürfnisse geistiger Arbeit und Anregung würden, immer mehr sich ausbreiteten und zur Herrschaft gelangten, erschien das Schriftwort schliesslich vorwiegend in ihrem Lichte und ward die Beachtung des Wortsinnes1) immer mehr zurückgedrängt. Es ist dem Elementar-Unterrichte, der ja der Jugend die ersten Kenntnisse der Schrift in einfacher Weise beizubringen hatte, vielleicht zum grossen Theile zu verdanken, dass eine Neigung und Befähigung für einfache Erklärung nie ganz auf hörte und dass bei jenem Uebergewichte des Midrasch oder der auf Halachah und Agadah gerichteten Deutung diejenigen sprichwörtlich klingenden Regeln sich erhielten, welche das Recht einer schlichten Auslegung daneben zu wahren offenbar bestimmt sind2). Es darf jedoch nicht übersehen werden, dass erst später der Midrasch ein so ausschliessendes Gepräge annahm, während in den ältesten Denkmälern der halachischen Auslegung3) eine wortgemässe Erklärung noch vielfach da angetroffen wird, wo die Herleitung oder Anknüpfung der in der Lebenspraxis herrschenden Gesetze oder Anschauungen nicht geboten war. Als aber dann vollends der ganze halachische und agadische Stoff in den Talmuden und verschiedenen Midrasch -Werken gesammelt vorlag und nun als Schriftenthum פשט הכתוב ׳פשוטי של מקרא ל, aramäisch פשטיה רקרא {Ena. 23 b und sonst). 2) a) אין מקרא יוצא מירי פשוטו Bob. Sabb. 63 a; Jebam. Iib. Dieser Satz wird weder beharrlich festgehalten (רבא in Jebam. 24 a), noch ist er Allen bekannt (R. Kahana, der erst darauf hingewiesen werden musste: Sabb. a. a. O., was RSBM selbst zu 1. Mos. 1, 1 und 37, 2 anführt); b) Ein zweiter, etwas engerer Satz lautet; דברה תורה כלשון בני אדם Berach. 3!t> und noch in achtzehn dort am .Rande verzeichneten Stellen. s) Ob. S. 61, I, 2-4.