Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1877
- Date
- 1877-01-01
- Page
- – (sequence 43)
- Language
- German
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_41 müsste. So ist es aber nicht. Als Heiligung־ oder Entweihung Gottes werden vielmehr auch rein sittliche, menschlichen Verkehr betreffende Verhältnisse bezeichnet. Von dem Unterschiede der Religion und des Ethischen hatten die Weisen des Talmuds ein sehr deutliches Bewusstsein, und auch dies ist für ihre Auffassung beider charakteristisch, dass sie gleichsam das specifische Gewicht des Ethischen höher schätzen, dass sie es sogar vor einer Vermischung mit, man könnte sagen, vor einer Vertuschung unter dem Religiösen sicher stellen wollen. So heisst es z. B. in der bekannten Mischnah (Joma VIII, 9): «Vergehungen des Menschen gegen Gott kann der Versöhnungstag sühnen, Vergehungen gegen den Nebenmenschen sühnt der Versöhnungstag nicht, bis man demselben volle Genugthuung gewährt hat». Die religiösen, d. h. die direkten Beziehungen des Menschen zu Gott werden, entsprechend der göttlichen Einsicht in das Menschenherz und der göttlichen Ordnung aller Dinge, auch ganz der göttlichen Gnade und Barmherzigkeit anheimgestellt; die Beziehung der Menschen unter einander aber muss in menschlicher Weise klar, menschlich ge־ ordnet und dem Sittengesetz entsprechend hergestellt sein1). Auf halachischem Gebiete finden wir die gesetzliche Ent- Scheidung Raba’s, des berühmten babylonischen Amora2), dass derjenige, welcher ein religiöses Speiseverbot übertreten, trotzdem ein glaubwürdiger Zeuge ist, weil er durch ein Vergehen gegen Gott noch nicht der Schädigung des Nächsten durch falsches ו) Wenn Munk zu Moreh III, 38 bemerkt, Maimonides habe die Unter- Scheidung der Mischnah, welche nur von Vergehen spricht, auf alle Gesetze ausgedehnt, so ist dagegen auf Sifre zu Deut. 12, 28 (,,wenn du das Gute und das Rechte thust“) zu verweisen, wo es bereits heisst: Das Eine bezeichnet die Pflichten gegen Gott, das Andere die gegen den Nächsten. Die dortige Differenz zwischen R. ISMAEL und R. Akiba ist mehr sprachlicher als sachlicher Natur, und nicht eine Principienfrage, die Löwy hineindeuten will (בקורת התלמוד p. 403). 2) Synhedrin 27 a מומר אוכל נבלות להכעיס כשר•