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Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung · 1877-01-01 · 1877 · page 35

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Journal
Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
Volume
1877
Date
1877-01-01
Page
– (sequence 35)
Language
German
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IRI
…/2720904-2720959--34-2723144
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33 psychologischen Voraussetzung der Einhaltung des Verbotes ist natürlich nicht die Rede. Aber auch der Lauf der Phantasie, einer psychologischen Gesetzmässigkeit unterworfen, ist von bestimmten Bedingungen abhängig; nicht blos die Gegenstände müssen ihr in eigener Erfahrung oder Anschauung wenigstens in Elementen gegeben sein, sondern der Gesammtzustand der Seele bedingt ihre Vorgänge. Auf dem Boden einer durchaus sittlichen Gesinnung, einer von sittlichen Idealen erfüllten Seele, werden nicht nur unsittliche Willensacte, sondern auch unsittliche Gedankenläufe unmöglich sein. Spätere rabbinische l£thiker haben sich viel mit der psychologischen Vorkehrung gegen das Emporkommen sündlicher Gedanken, gegen die blosse Möglichkeit, dass sie Motive des Willens werden, beschäftigt. (Vergl. das oben citirte אם פגע בך מנוול זח וכרי; ebenso 'לעולם ירגיז אדם יצר טוב על יצר רע וכו). Höchst bemerkenswert!! ist es ausserdem, dass die Rabbinen die Gesinnung des Menschen eben so wie seine Handlung nicht als die Sache des Einzelnen, sondern als die der Gesammtheit angesehen haben. Dieser Gedanke tritt uns nicht blos in so allgemeiner und abstracter Fassung (כל ישראל ערבים זה לזה), sondern auch in concreter, anschaulicherWeise entgegen. Die Aeltesten jener Stadt (in deren Nähe ein Erschlagener gefunden worden, dessen Mörder unbekannt geblieben) waschen ihre Hände an dem Orte, wo sie das Kalb zur Sühne der Blutschuld getödtet hatten, und sprechen «Unsere Hände haben das Blut nicht vergossen und unsere Augen es nicht gesehen». Deut. 2 1, 7. Wie? fragt nun die Mischnah, kam denn Jemand auf den Gedanken, dass die Aeltesten des Gerichtshofes Mörder wären? Allein, so wird geantwortet, der Sinn dieser Worte ist: Unsere Hände waren nicht mitleidslos verschlossen, als ein Dürftiger um Nahrung uns anflehte, dass er aus Noth ein Räuber, aus Verzweiflung ein Mörder werden musste! «Unsere Augen haben es nicht gesehen», das heisst, wir haben ihn nicht ohne Begleitung von uns gehen lassen, dass er in seiner traurigen Vereinsamung o

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